Wer hat Angst vorm nackten Mann? 

Abschließende Bemerkungen zu einer unfruchtbaren Diskussion
von Joachim Landkammer
 
Ich hatte meinem Aufsatz zum "Lob der Pornographie", der ja - "eigentlich" gar nicht zur Veröffentlichung gedacht - nur einige vor-läufige Thesen entfalten sollte, die Anmerkung vorausgeschickt, daß ich mir gerade wegen der provisorischen und provokatorischen Formulierung kritische und widersprechende Reaktionen erhoffte, aufgrund derer sich dann eine tieferdringende Debatte erst hätte entwickeln sollen. Ich muß heute leider feststellen, daß zumindest in der bisherigen "Diskussion" mit Herrn Schlude sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat. 

Es ist mir nämlich leider nicht gelungen, Herrn Schlude von seinen groben Mißverständnissen und textblinden Anschuldigungen ab- und zu einer sachlicheren Lektüre meiner Argumente hinzubringen. Seine Rede von meinen angeblichen "Unterstellungen", "billigen Tricks" und plumpen „Scherzen“ demonstriert zur Genüge seine Weigerung, sich argumentativ auf meinen Text einzulassen, auch dort, wo er ironisch gebrochen auftritt - und trotzdem auch eben dort immer noch argumentiert: Ironie ist kein Ersatz und keine Kompensation, sondern nur ein besonderes Medium für die Kommunikation von Argumenten (der „ironischen Behauptung“ darf wohl ein vergleichbarer propädeutisch-hermeneutischer Stellenwert zugeschrieben werden wie z.B. der in Habermas-Kreisen beliebten sog. "kontrafaktischen Unterstellung"). 

Aber wie soll man Verständnis für solche komplizierteren Argumentationsstrukturen erwarten können, wenn nicht einmal gesehen wird, daß eine These nicht erst dadurch bewiesen ist, daß sie für jedes erdenkliche reale Vorkommnis belegt wird, sondern daß sie - eben „cum beneficium inventarii“ - extrapoliert und verallgemeinert werden kann; eine Kritik verdient also solange ihren Namen nicht, wie sie sich wohlfeil damit begnügt, angebliche "riesige Begündungslöcher" festzustellen (die gibt es - bei diesem Verständnis von "Begründung" - bei jeder These); stattdessen hätte sie z.B. auch nur ein einziges Gegenbeispiel anführen müssen, bei dem die These nachweislich nicht stimmt. Das hat Herr Schlude aber m.E. bisher nicht getan. 

Und was die Analogie mit Elektrizitätsproduktion und -konsum anbetrifft, so ist doch zu bedenken, daß der "Verbrauch" von Strom eben längst nicht genauso fraglos und selbstverständlich ist wie der von Pornographie, so daß die beabsichtigte Fokussierung auf diesen Bereich, bei völliger Ausblendung des anderen, "zunächst einmal" propädeutisch gerechtfertigt erscheint. Außerdem setzt ja gerade die These vom Vorrang der (angeblichen) moralischen Probleme bei der Herstellung von Pornographie voraus, daß, wenn es diese nicht gäbe, das Bedürfnis nach dem Konsum als wohl allein auschlaggebendes Moment immer noch übrig bliebe. Gerade die Behauptung, daß der "Produktionsprozeß sehr wohl mit betrachtet werden" muß, schließt doch ein, daß es noch einen „anderen“ Gesichtspunkt gibt; weil dieser normalerweise aber nicht analysiert und artikuliert wird, wollte mein Beitrag einmal dieses "riesige Begründungsloch" (mit Herrn Schlude zu reden...) stopfen. 

Auf das herablassende Shakespeare-Zitat ("Much ado about nothing" - aber gehören zum "ado" machen nicht immer mindestens zwei?) möchte ich nur mit dem bekannten Lichtenberg-Bonmot antworten, das nur noch für das Internetzeitalter modernisiert werden muß: wenn ein Kopf und ein Text „zusammenstossen“ und es klingt nach "Leere" und nach "Viel Lärm um Nichts", muß es nicht unbedingt am Text liegen.