Der kleine Junge ist noch nicht zufrieden

Anmerkung 3
von Konrad Schlude
 
Immer begierig, neue Sachen zu lernen, freut es mich, daß mich Joachim Landkammer belehren will. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, daß das "Lob der Pornographie" nicht gerade als positives Beispiel dienen kann.

Das beginnt schon mit der einfachen Sache der Landkammer-Ironie; man überhäuft den Diskussionspartner mit Formulierungen wie beispielsweise "Do it yourself ist eine Losung für die Armen, und besonders für die Armen im Geiste" oder "der wirklich kultivierte Mensch läßt andere, läßt Professionisten machen" oder unterstellt einfach "Mangel an Ein- und Weitsicht". Für den Diskussionspartner sind das natürlich böse Unterstellungen; geht er auf diese Unterstellungen nicht ein, so wird das als Akzeptanz bewertet. Geht er aber darauf ein, dann wird ihm mitgeteilt, daß er die subtile Ironie halt nicht verstanden habe. Auch wenn solche billigen Tricks von manchen gern verwendet werden, es bleiben billige und plumpe Tricks. 

Aber braucht Landkammer denn überhaupt solche Scherze? Ja! Das "Lob der Pornographie beruht auf der These von der "Übertragung von Handlungsbedürfnissen" als ein "Kennzeichen des kulturellen Fortschritts". Landkammer gibt einige Beispiele an: Arbeitsteilung im Handwerk, Pizzaservice, Rockkonzerte usw. Aber damit ist noch lange nicht belegt, daß die These wirklich auf alle Bereiche der menschlichen Existenz zutrifft, hier klafft ein riesige Begründungsloch; und dieses Loch soll mit dem Schwall von "Ironie" zumindest scheinbar aufgefüllt werden. Gelingen kann dies jedoch nicht, da diese "Ironie" keinerlei Argumentationswert besitzt.

Neben der eben genannten These stützt sich das "Lob der Pornographie" noch darauf, daß eine brutale Komponente des menschlichen Sexualtriebs durch Pornographie abgemildert werden könne. Dieses Argument mag für manche überzeugend klingen, denn das Wort "Triebbefriedigung" kommt in einer Absolutheit daher; doch hinterfragen wir doch einmal frech dieses Wort "Sexualtrieb", was steckt da dahinter? Woher kommt denn diese angeblich vorhandene brutale Komponente? Ererbt ist diese Komponente sicherlich nicht, und somit hat sie mit der menschlichen Sexualität zunächst gar nichts zu tun! Aber dann hat diese brutale Komponente irgendwelche äußere Ursachen, und weil einige erworbene Probleme mit ihrer Sexualität haben, brauchen wir noch lange nicht die Pornographie zu loben, zumal ja auch Landkammer inzwischen erklärt hat, daß sich die Triebe nicht unbegrenzt ausleben dürfen. Entgegen den Behauptungen Landkammers kann das Medium Film sehr wohl Auswirkungen auf das Realitätsverständnis der Menschen haben, das Beispiel Horrorfilme zeigt dies überdeutlich. Die Frage, ob Pornographie gerade das, was Landkammer durch Pornographie vermindern will, unterstützt, ist daher berechtigt. Somit brauchen wir hier gar keine Sexualforschung, um zu erkennen, daß ein "Lob der Pornographie" nicht angebracht ist.

Es ist schon eine seltsame Anwandlung, wenn man bei der Bewertung eines Produkts den Produktionsweg nicht beachten will! Denn betrachtet man beispielsweise die Elektrizität nur zwischen Steckdose und Verbraucher, dann ist diese Energieform so umweltfreundlich, wie man es sich nur vorstellen kann; berücksichtigt man jedoch noch, daß der elektrische Strom aus einem veralteten Braunkohlekraftwerk (Schwefeldioxidschleuder) oder einem maroden Atomkraftwerk vom Tschernobyl-Typ stammen kann, dann sieht die Bewertung plötzlich ganz anders aus. Und so muß auch bei der Pornographie der Produktionsprozeß sehr wohl mit betrachtet werden. 

Wie ist das "Lob der Pornographie" denn angesichts dieser Tatsachen nun zu bewerten? Es erinnert stark an "Much ado about nothing": Was bei der Komödie Shakespeares der Titel, das ist beim "Lob der Pornographie" die Charakterisierung des Inhalts und seiner Leere! 



Erneute und letzte Replik von Joachim Landkammer: