"Daz niht waz got" 

Antifeminismus und Normativität bei Meister Eckehart 

 

 von Claudia Altmeyer
 

 
  


 

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(c) Sic et Non - Forum for Philosophy and Culture (2001) - http://www.cogito.de/sicetnon/artikel/historie/daznihtwazgot.htm

Wenn es um die Frage nach der Verwirklichung des Guten geht, besteht eine philosophische Diskussion mit einer überaus langen Tradition, ob das Gute, sei es auch und gerade in der Gemeinschaft, für Männer und Frauen dasselbe sei.

Zwar räumt Platon im "Staat" ein, dass beide Geschlechter für alle Aufgaben in der Gesellschaft prinzipiell gleich gut geeignet seien und dass es lediglich eine noch offenstehende Aufgabe des Erziehungswesens wäre, jene in den Menschen ungeachtet ihres Geschlechtes grundsätzlich angelegte Fähigkeit zum moralischen und somit auch politischen und staatslenkenden Handeln zu fördern. (1) Allerdings übergeht er hier, oder vielmehr er vernachlässigt es, da es seinen Diskussionsrahmen sprengen würde, den erkenntnistheoretischen Ursprung jener Ungläubigkeit, die bei Glaukon auftritt, als er Sokrates staunend fragt, ob im utopischen Staat etwa auch Frauen zu führenden Ämtern zugelassen werden sollten. Jener, vielleicht nicht nur antike, Antifeminismus hat eine erkenntnistheoretische Basis: man kann folgerichtig nur verwirklichen, was man erkennt und inwieweit man es erkennt, und Männern und Frauen wurden konventionell oft unterschiedliche Erkenntnisarten zugesprochen. (2) Auch Eckehart hat sich darüber Gedanken gemacht und ist zu einem außergewöhnlichen Schluss gekommen.

 

Meister Eckehart spricht von zwei ethischen Tendenzen, die einen erkenntnistheoretischen Ursprung haben. Die eine, sagt er, ist nach Außen gerichtet, die andere nach Innen, und ähnlich wie bei der allegorischen Verkörperung von vita activa und vita contemplativa in den Figuren Martha und Maria geht es hierbei letztlich wieder um die Frage, wie das Gute im Leben des Menschen verwirklicht werden soll, ohne dass sich diese Diskussion allerdings auch mit einer so deutlichen Superpositionierung lösen lässt.

Man könnte die nachfolgende Analyse, ihrer Ähnlichkeit mit der Maria- Martha-Streitfrage wegen, vielleicht als eine Wiederholung ansehen, aber sie ist in Wirklichkeit ein Wiederaufgreifen desselben Themas unter neuen Aspekten. Die Benennung, die nach dem Mystiker der nach Innen beziehungsweise Außen gerichteten erkenntnistheoretischen Tendenz, die dementsprechend auch ethische Konsequenzen – tätiges Wirken oder Selbstvergewisserung im Innengang – nach sich zieht, ist "Mann" und "Frau in der Seele" (3). Vor diesem Hintergrund entfaltet sich eine weitangelegte Spekulation (die hier freilich nur in groben Zügen wiedergegeben werden kann) über das Wesen einer spezifisch weiblichen oder männlichen Hinwendung zum Leben, das letztlich für beide auf den Grund abzielt.

Die Gestaltungstendenz des Erkennenden wird als "Frau in der Seele" bezeichnet, die Entstaltungstendenz als "Mann in der Seele". Einheitserkenntnis, die von dem vielheitlichen Gestalteindruck abstrahiert, den die Sinne vermitteln, ist bei dem Mystiker männlich konnotiert, während die sinnlich transportierte Gestaltwahrnehmung weiblich konnotiert ist.

Den "Mann in der Seele" kann man also als Metapher für eine erkenntnistheoretische Introversion, die als mortificatio gleichfalls auch Kongruenz mit dem Erkenntnisgrund anstrebt, betrachten, wohingegen die "Frau in der Seele" eine erkenntnistheoretische Extraversion, die eine Divergenz mit dem Erkenntnisgrund und somit in der pragmatischen Konsequenz ein weltliches, gemeinschaftliches Nützlichsein bedeutet, bezeichnet. Eckehart bezeichnet "die niedersten Kräfte" des intelligiblen Menschen als "Frauen", die Vernunfterkenntnis selbst, die "alle Dinge in der Wahrheit" erfasst, als "Mann". (4) Ein wenig versteckter Antifeminismus? Inwiefern versteht der Mystiker bestimmte erkenntnistheoretische Tendenzen als analog zu einem, eigentlich wohl doch nur hypothetischen, Geschlechtscharakter? (5)

Eckehart bezieht sich bei seiner Unterscheidung der zwei Tendenzen stets auf fiktive Personen, auf Figuren mit allegorisch-exemplarischem Charakter, nicht auf real existierende Bevölkerungsgruppen. Selbst wenn er das tun würde, kann man mit großer Sicherheit annehmen, dass er nicht auf die Bevölkerungsgruppen als solche referieren würde, sondern sie als Symbol darstellte, wie ihm als mystisch geprägtem Menschen die ganze sinnlich erfahrbare Welt ein Symbol war, wie es Wehr überzeugend darlegt:

"Ihm geht es im wesentlichen darum, allegorisch zu interpretieren. Das heißt, die einzelnen Worte, Begriffe, Orte und Personen sind so aufzuschlüsseln, dass sie jeweils als Bildausdruck für eine spezielle Wirklichkeit begriffen werden." (6)

Es gibt tatsächlich keine Stelle, an der der Mystiker Frauen als Menschen oder als Bevölkerungsgruppe abwertet, im Gegenteil, er sagt deutlich:

"Als Gott den Menschen schuf, da schuf er die Frau aus des Mannes Seite, auf dass sie ihm gleich wäre. Er schuf sie weder aus dem Haupte noch aus den Füssen, auf dass sie weder unter noch über ihm wäre, sondern dass sie gleich wäre." (7)

Der Mystiker polemisiert nicht gegen Frauen, auch nicht gegen die als weiblich bezeichnete gestaltende, in den Bildern wirkende Erkenntnistendenz, sondern er kritisiert lediglich, dass die "Frau in der Seele" zu einer Gefahr für den Erkennenden als einem Entstaltenden werden kann, sobald sie mit ihrer "nach Außen" und zu den Sinnendingen gerichteten Tendenz übermächtig wird und die begriffliche Abstraktion behindert. Wenn er also an anderer Stelle sagt:

"Die 'Frauen', das sind die niederen Kräfte, die sollen bedeckt sein. Der Mann aber, das ist jene Kraft, die soll entblößt und unbedeckt sein." (8)

dann bedeutet das, dass die weiblich assoziierte Erkenntnistendenz im Dienste der männlichen stehen soll, Gestaltung also konsequent auf Entstaltung abzielen soll. Es ist keine Kritik an Frauen, sondern eine hierarchische Unterordnung der erkenntnistheoretischen Extraversion unter die Introversion, das "Einwärtswirken der Vernunft", das durch eine männlich attribuierte "Kraft" bewirkt wird.

Gäbe es jedoch tatsächliche eine Identifikation von Erkenntnistendenzen und realphysischer Geschlechtszugehörigkeit, so müsste man hier von einem, ich denke philosophisch nicht seltenen, Präzedenzfall der Erkenntnistheorie sprechen, der deutlich exemplifizieren möchte, dass einem bestimmten Erkennen ein bestimmtes Sein entspricht, das jenes Sein wiederum in die Grenzen der ihm durch die ihm zugesprochene Erkenntnisart gezogenen ethischen Handlungs- und Urteilskompetenzen verweist. Hiermit wäre die im Einleitungstext angesprochene enge Verknüpfung von Ontologie, Erkenntnistheorie und Ethik exemplarisch dargestellt, allerdings mit dem großen Nachteil, dass eine solche dogmatische Leitmotivik realen Personengruppen in ihrer individuellen Verschiedenheit kaum gerecht werden kann.

Die männliche und die weibliche Tendenz, die Eckehart minutiös herausarbeitet, sind kein geistiges Äquivalent zu männlichen und weiblichen Körpern. Jeder Mensch, betont er, verfügt über beide Tendenzen, über Mann und Frau in der Seele. Insofern wäre es im Verständnis des Mystikers unsinnig, etwa als Mann darauf zu beharren, nur den männlich attribuierten Erkenntniszugang für sich zu beanspruchen, ebenso wie sich eine Frau nicht vollends über den weiblich genannten Erkenntniszugang definieren sollte, da beide Tendenzen in jedem Menschen zusammengehören. Der Mystiker konstruiert also, lange vor Entdeckung der Tiefenpsychologie, eine Art psychophysische Einheit.

Bemerkenswert ist bei alledem, dass Eckehart, übrigens als meines Wissens einziger Scholastiker nicht den Übertragungsfehler begeht, die weibliche Tendenz des Erkenntnisstrebens mit dem weiblichen Geschlecht als solchem gleichzusetzen und abzuwerten. Eine Abwertung, die ihm, nebenbei, bei seiner zuletzt meist weiblichen Zuhörerschaft sicher auch keinen Applaus eingebracht hätte. Fest steht jedenfalls: für den Dominikaner bleiben die Bilder vom "Mann in der Seele" und der "Frau in der Seele" Metaphern, ohne dass er ihre Anwendungsdimension über die reine Erkenntnistheorie hinaus ausweitet und politisiert. Da er Sein jedoch mit Erkenntnis gleichsetzt und Erkenntnis mit Innenschau, diese wiederum eher mit der männlichen Tendenz korrespondiert, ist diese eher am Sein teilhaftig, an einem rein begrifflichen, nicht mehr an Sinnendingen haftenden vollkommenen Erkennen.

Letztlich geht es immer darum, durch die Gegenüberwelt aus der Gegenüberwelt herauszuwachsen, durch die Bilder in die Bildlosigkeit, durch das tätige Werde- Wirken ins selbstzweckhafte Ruhen im Grund.

Jeder Mensch muss als ein Erkennender die kleinliche Perspektive seiner Egointeressen überwinden und in seiner Mitteilbarkeit, seiner Integration in die Lebensbezüge – seiner "Martha- Existenz", nützlich für die Gemeinschaft sein und gleichfalls auch im tätigen Leben reif und reicher für den Prozess der mystischen Selbstvergewisserung werden. Hier ist dann jeder Mensch auf gleiche Weise gefragt: er muss sich leer machen von Bildern, Akzidenzien, und seine von bloßen Zufälligkeiten bestimmte Hülle, den "Heinrich" oder "Konrad", aber gleichfalls wohl auch die Kathrin oder Susanne, entäußern.

Eckehart nun Antifeminismus vorwerfen zu wollen, wäre nicht nur arrogant, sondern auch falsch. Wir haben gesehen, dass Männlichkeit und Weiblichkeit bei ihm als Bezeichnungen für polare Tendenzen des Erkenntnisstrebens gebraucht werden; dementsprechend ist seine Kritik an der weiblichen Tendenz erkenntnistheoretisch, nicht soziologisch zu verstehen. Auch die scholastische Tradition, mit der der Dominikaner in diskontinuierlich enger Beziehung stand, fasste die Geschlechterpolarität ursprünglich in diesem Sinne auf. Man kann hier wirklich nicht von einer systemimmanenten Misogynie sprechen, wenn auch die Weiterentwicklung der Scholastik oft gesellschaftliche Bezüge nahm.

Diejenigen scholastischen Denker, die schließlich leitmotivische Weiblichkeit und Frau begrifflich gleichsetzten und mit der leitmotivischen Weiblichkeit also auch die Frau kritisierten, konnten oder wollten die Unterscheidung zwischen spirituellem Symbol und sozialer Realität nicht mehr vollziehen. Eckehart setzt sich jedoch eindeutig von dieser Gruppe ab, indem er sich ausdrücklich auf den spirituellen Symbolgehalt der Geschlechter, ihre Bedeutung in der "Seele" bezieht. So wären etwa mutige, autoritative Persönlichkeiten von hoher geistiger Orientierung wie Jeanne d´Arc oder Hildegard von Bingen in seinem Sprachgebrauch bestimmt Menschen mit starker männlicher Tendenz gewesen.

Trotzdem ließe sich an dieser Stelle einwenden, dass gerade diese pointierte Unterscheidung ausgesprochen antifeministisch ist. Schließlich werden alle höherrangigen geistigen Prozesse, die von der rein sinnlichen Perzeption abstrahieren, der männlichen Tendenz zugeordnet, und ebenso die moralischen Qualitäten, die aus dem Umgang mit der begrifflichen Urteilsfähigkeit entstehen und in letzter Konsequenz auch die Hinwendung zum Absoluten. All das korrespondiert nun mit dem "Mann in der Seele", wie sich Eckehart in den Jünglingspredigten ausdrückt. Letztlich gibt es auch eine deutliche Interrelation zwischen jener männlich attribuierten Erkenntniskraft, die verinnerlichend zum Grund vordringt, und dem mystischen Erlebnis des Eingeborenwerdens ins Seinsganze, für das oft die metaphorische Redeweise des Vater- Sohn- (und nicht Tochter-) Verhältnisses (9) gebraucht wird, wie es auch Haas beschreibt:

"Im Sinne der christlichen Deutung des mundus intelligibilis Platons durch Boethius und Augustinus verdeutlicht Eckhart das principium durch dessen Identifikation mit dem Sohn, in dem der Vater Himmel und Erde geschaffen hat. Der Sohn ist "imago et ratio idealis omnium", das Vorbild und die Idee aller Dinge." (10)

Bedeutet das nicht generelle Abwertung und Chancenlosigkeit für die weibliche Tendenz ? Nein, aus dem Grunde nicht, weil Eckehart polarisiert und nicht dualisiert. Die Unterscheidung, die wir am Anfang eingeführt haben, greift jetzt: männliche und weibliche Tendenz bezeichnen zwei Richtungen ein und desselben Prozesses, des Strebens nach metaphysischer Wahrheit. Wie bei der Streitfrage um vita activa und vita contemplativa geht es eigentlich nicht um die Superposition eines Prinzips, sondern um das harmonische Zusammenfügen beider Pole innerhalb eines größeren Gesamts, in dem erst die so häufig geforderte "Wirksamkeit" realisiert werden kann.

Man erinnert sich auch daran, dass Eckehart von einem gleichzeitigen Vorhandensein beider Tendenzen, der männlichen und der weiblichen, in der Seele spricht. Wenn der Mystiker nun in diesem Fall die weibliche Tendenz kritisiert, so nimmt er keine generelle Kritik dieser Richtung vor, denn das sinnliche Durchdringen der Welt ist, wie er es sieht, Grundlage für ein wahres Erkennen in der Innenschau und "wirkt...Tugend und Kunst und heiligmäßiges Leben" (11). Somit hat sie einen unbestreitbaren moralischen Wert. Diejenige Erkenntnistendenz, die, nach Außen gerichtet, sich in der ethischen Realisierung eines Martha- mäßigen Nützlichwerdens für die Gemeinschaft spiegelt, ist anerkennenswert, brauchbar, effektiv.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass es für Eckehart zwar zweierlei Arten von Ethik gibt, die als durch zwei verschiedene und mit Geschlechtermetaphern bezeichnete erkenntnistheoretische Tendenzen vorstrukturiert gedacht werden, aber deswegen doch keine separierbare Ethik für Männer respektive für Frauen. Ähnlich, wie Maria und Martha als Symbole zweier getrennt wahrnehmbarer Arten von Lebensgestaltung interpretiert werden, die sich schließlich in gegenseitiger Durchdringung bereichern sollen, stellen auch der männlich und der weiblich attribuierte Weg, sich der Werdewelt schaffend und erkennend zuzuwenden, keine abspaltbaren und einander ausschließenden Modelle dar, sondern zwei gleichberechtigte Arten der Mitteilung, die sich austauschen sollen.

Meine Frage geht indessen dahin, ob nun, analog zur, im Verhältnis zur orthodoxen Auslegungskonvention ja eigentlich unerhörten, Überordnung des tätigen Lebens bei Meister Eckehart, sich auch eine solche Überordnung des ihm entsprechenden, als weiblich gekennzeichneten Erkenntniszugangs gibt. Das wäre in der Tat sensationell. Es gibt einige Hinweise darauf, dass das weibliche Element innerhalb der Eckehartischen Ontologie keine untergeordnete Rolle einnimmt und dass der Dominikaner in seinen Reden die Frau gern als bildhafte Darstellung des fruchtbaren Wirkens als einem Vermitteln zwischen in der Verinnerlichung Erkanntem und von der Gemeinschaft geforderten Tätigsein anführt. Wehr erinnert an diese Tatsache:

"...zögert er nicht, das "Weib"- Sein, die eheliche Verbindung höher zu schätzen als die bloße Jungfräulichkeit. Denn Aufnahmebereitschaft (im spirituellen Sinn, auf den es hier ankommt), genügt nicht. Die Reife und Fruchtbarkeit muss hinzukommen, soll das ersehnte Ereignis eintreten, das in den Eckhartschen Predigten immer wieder besprochen wird: die Gottesgeburt im Seelengrund" (12)

Das weibliche Element scheint also für den Mystiker generell den fruchtbaren Boden darzustellen, aus dem die Saat der Grunderkenntnis hervorgeht und sich, wie er sagt, in Tugend, Kunst und heiligmäßigem, das heißt nicht zuletzt auch ethisch verantwortlichem Leben zeigt. (13) Als eine Metapher der Fruchtbarkeit, somit entsprechend der "Wirksamkeit" als dem tüchtigen Streben danach, sich als Einzelmensch und Gesellschaftsmitglied ethisch und erkenntnistheoretisch, handelnd und schauend, zu verwirklichen, weist es auch auf einen ontologischen Hintergrund zurück. Der, wie Haas sagt, "dynamische Charakter der Seinsbeziehung zwischen Mensch und Gott" (14) kann logischerweise nicht in einem Medium vollzogen werden, das jener schaffenden und sich- selbst- schaffenden Seinsbeziehung widersteht. Tatsächlich gibt es sogar innerhalb der jüdisch- christlichen Religionstradition eine Vorstellung vom prinzipienhaften Weiblichen, das schöpferisch-schaffend wirkt und dessen später ideeller Ausläufer möglicherweise, ich denke, diese Vermutung liegt gar nicht fern, Meister Eckeharts anerkennenden Blick auf das nach Außen und zur Werdewelt gerichteten weiblichen Ethos sein könnte. Leo M. Giani erläutert diese Zusammenhänge:

"Das schöpferische Prinzip ist in der Mythologie immer eine weibliche Vermittlungmacht, auch dann, wenn der Schöpfergott ausdrücklich männlich ist. So wie das Chaos einen weiblichen Hintergrund hat, so auch der Lebensodem, der Geistwind Gottes, der sozusagen der weibliche Aspekt des männlichen Schöpfergottes ist. Das zeigt sich u.a. auch darin, dass der hebräische Ausdruck "ruach elohim" weiblich ist. In der späteren Trinitätslehre verselbständigt sich die "ruach elohim", wird zur eigenständigen Person, zur dritten Hypostase Gottes. Dieser nimmt die Weiblichkeit in sich auf, die aus dem christlichen Gottesbegriff verdrängt wurde." (15)

Nach meinem Dafürhalten hat Eckehart in seiner Maria- Martha- Rede den ambivalenten schöpferischen Aspekt des Weiblichen, die einwärts gerichtete intelligible Fähigkeit und die in die Gegenüberwelt sich mitteilende Außenorientierung, hervorgehoben und anhand dieser Figuren erläutert. Hiervon ausgehend, gewinnt auch die Rede von der moralisch respektablen weiblich genannten Tendenz im Ort der Erkenntnisprozesse eine neue Gewichtung. Es ist doch eigentlich nicht das defizitäre Seiendsein der "Tochter", das hier in der Mitteilbarkeit und somit der Verwirklichung des Guten zum Tragen kommt, sondern das Seiendsein des Menschen als solchem, der die mystische Nachfolge in "Wirksamkeit" antritt.

Eine Überordnung der als weiblich bezeichneten erkenntnistheoretisch- ethischen Auswärtstendenz lässt sich schwerlich feststellen, jedoch auch keine Unterordnung. Der schöpferische Charakter des Werde- Wirkens, der schließlich, wie erwähnt, auch Kunst und Tugend zeitigt, hebt das aktive, extrovertierte Leben aus der Ebene bloß äußerlicher Existenzvollzüge heraus und parallelisiert es mit dem Ausfluss des Seins ins Seiende, wie es in der "ersten Ursache" geschah, und wie es sich der Myste im Grund vergegenwärtigen kann.

Allerdings gibt es eine Einschränkung für das gleichberechtigte Miteinander beider Tendenzen, der verinnerlichenden und veräußerlichenden. (16) Letztlich bleibt der Prozess der Selbstvergewisserung im entstaltenden Denken des Seins schlechthin doch das erklärte Ziel des Mystikers. Eckehart warnt davor, bei einseitiger Bevorzugung der Außenschau den Blick für das Wesentliche zu verlieren und nur noch das Wesen, die vergängliche Erscheinung, zu sehen. Das ist eine Gefahr für den Menschen, der "wesentlich" werden will; eine Gefahr allerdings, die sich umgehen lässt, solange beide Tendenzen des Erkenntnisstrebens zusammenwirken und der Mensch sein Sein als Seiend- Erkennender, als sich nach Außen Mitteilender und nach Innen Lassender, verwirklicht.

 

 

(1) Platon, Politeia, 455 - 460 (zurück)

(2) Über die transkulturell betriebene Unterscheidung von "männlichem Verstand" und "weiblichem Verstand" vgl. u.a. Brihad. - Arany. Up. IV, 5. Yâjnavalkya wird in diesem Upanishadtext als ein Mann beschrieben, der zwei Ehefrauen hat, von denen aber die eine, Kâtyâyâni, die nur einen "rein weiblichen Verstand" besitzt, deswegen nicht in der Lage ist, seine Rede über erkenntnistheoretische Grundfragen zu verstehen. (zurück)

(3) Man sieht im Beispiel von Eckeharts Redeweise von dem "Mann in der Seele" und der "Frau in der Seele" (DW S. 393, 29ff und DW, S. 396, 6ff) sehen, dass dort eine ganz bestimmte Vorstellung von leitmotivischem Geschlechtscharakter zugrundegelegt ist, eine Vorstellung, die die weibliche Tendenz offenbar als der männlichen untergeordnet betrachtet, sie aber nicht mit dem weiblichen Geschlecht als solchem gleichsetzt, wie es zum Beispiel Nietzsche tat. Der Mystiker spricht zu Menschen, und er spricht über Menschen. Die Männer und Frauen in den biblischen Settings, über die er spricht, sind fiktive Personen, Prototypen, Figuren. Die Bedeutung, die einer männlichen Figur in seiner Lesart zuteil wird, ist grundsätzlich eine andere als die, die er einer weiblichen Figur zuordnet. Wenn er seine Predigt mit einem Setting beginnt, in dem Männer und Frauen erwähnt werden, differenziert er ihre Rollen sehr genau; gibt es nur einen einzigen Protagonisten oder eine einzige Protagonistin, bemüht er sich, die besondere Bedeutung des Geschlechtscharakters, gerade im Zusammenhang mit der Aufgabe, die ihm oder ihr gestellt wird, herauszuarbeiten. Jene Aufgaben sind jedoch immer spirituelle Aufgaben und werden als solche interpretiert. Dementsprechend ist der Geschlechtscharakter als Benennung für eine bestimmte Tendenz oder Entwicklungsstufe der Erkenntniskraft zu verstehen. Wir haben es hierbei also mit einer leitmotivisch verstandenen Männlichkeit und Weiblichkeit zu tun, die erkenntnistheoretische Ausrichtungen symbolisiert. Der Mystiker spricht von einem "Mann in der Seele" und einer "Frau in der Seele" und meint damit bildhafte Umschreibungen von dem, was wir schon mit erkenntnistheoretischer Introversion bzw. Extraversion benannt haben. – Eckehart unterscheidet zwischen männlichen und weiblichen Charakteren im Hinblick darauf, dass die Rolle, die einer männlichen Figur im Hinblick auf die Beschreibung eines Erkenntnisprozesses zukommt, eine andere ist als die, die einer weiblichen zukommt. Die weibliche Figur symbolisiert die Hinwendung des Intellektes auf die Sinnendinge, den "underscheit", die männliche Figur hingegen die intellektuelle Abstraktion von den Sinnendingen zu den Begriffen hin, das "Einwärtswirken der Vernunft". Der Mystiker geht also von einem leitmotivischen Geschlechtscharakter aus, der den geistigen Zugang männlicher und weiblicher Protagonisten bestimmt. Allerdings darf man meiner Ansicht nach nicht vergessen, dass es sich hier nur um fiktive Personen ohne Individualcharakter handelt. (zurück)

(4) DW, S. 210, 29f. (zurück)

(5) Die Kognitionsforschung unserer Zeit thematisiert manchmal, großenteils, scheint mir, auch ohne auf deren Entstehungshintergründe einzugehen, geschlechtsspezifische Unterschiede auf der intellektuellen Ebene und Differenzen auf dem Gebiet kognitiver Leistungen und identifiziert diese direkt mit Männern oder Frauen als Repräsentanten ihres Geschlechts; Unterschiede, die allerdings in Wirklichkeit oft wohl eher auf eine differierende gesellschaftliche Vermittlung von Lebensmodellen und Körperbildern als auf metaphysische Leitmotive zurückzuführen sind. Das alles ist aber keinesfalls das Anliegen Eckeharts, wenn er vom " Mann in der Seele " oder von der "Frau in der Seele" spricht. Ihm geht es natürlich nicht darum, intellektuelle Unterschiede in Bezug auf kognitive Prozessleistungen, -modelle und -geschwindigkeiten darzustellen, ihn interessiert auch nicht ein eventuell unterschiedlicher emotionaler Zugang zu einzelnen Aufgabenfeldern und, als Mystiker, der die Gegenüberwelt gleichnishaft auffasst, am wenigsten eine Identifikation von biologischem Geschlecht und leitmotivischem Erkenntniszugang. Eckehart referiert meiner Meinung nach nicht auf einen dualisierenden Intellektualismus im heutigen Verständnis; mehr noch: er konstruiert im Gegenteil eine psychophysische Einheit der beiden in jedem Menschen vorhandenen Erkenntnistendenzen. – Die beiden verschiedenen erkenntnistheoretisch- ethischen Tendenzen, die der Mystiker vorstellt, erschöpfen sich natürlich nicht im erfolgreichen Lösen von mehr oder weniger komplexen Denksportaufgaben oder in der dichten Verknüpfung möglichst zahlreicher Sinnesdaten und ihrer bildlichen oder begrifflichen Repräsentation, die auf dem polaren und im mystischen Sinne vorläufigen "Gegensatz" aufbaut. Die Vernunft wird bei Eckehart als der "Mann in der Seele" bezeichnet. Er symbolisiert diejenige Erkenntnistendenz, die nach Innen, zum "innersten Ich" gerichtet ist und "das Fünklein der Vernunft rein in Gott erfasst". Die "Frau in der Seele" verkörpert die Außenschau, das Gesicht, das "dieser Welt zugekehrt ist und dem Leibe". Mann und Frau sind also Metaphern für das, was wir schon als erkenntnistheoretische Introversion und erkenntnistheoretische Extraversion bezeichnet haben. Die letzte Konsequenz der Erkenntnis, auf die beide Tendenzen gemeinsam hinstreben, ist die Erkenntnis der absoluten Kongruenz des Seiendem mit dem Sein in der mystischen Selbstvergewisserung im Grund. Der Mystiker ist natürlich kein an Datenverarbeitungsprozessen interessierter Kognitionsforscher oder kognitiver Psychologe: für ihn bedeutet wahre Erkenntnis nicht exoterisches Faktenwissen, sondern letztlich Innenschau, Übereinstimmen mit dem "Urgrund" seines Seins. (zurück)

(6) G. Wehr, "Meister Eckhart – Die Gottesgeburt im Seelengrund", Freiburg 1990, S.20 (zurück)

(7) DW, S. 184, 30ff. (zurück)

(8) DW, S.210, 28ff. (zurück)

(9) Eckehart macht diese interessante Unterscheidung selbst deutlich: "Wird das Fünklein der Vernunft rein in Gott erfasst, so lebt der "Mann". Dort geschieht die Geburt, dort wird der Sohn geboren. Diese Geburt geschieht nicht einmal im Jahre noch einmal im Monat noch einmal am Tage, sondern allezeit, das heißt oberhalb der Zeit in der weite, wo weder Hier noch Nun ist, weder Natur noch Gedanke. Darum sprechen wir von "Sohn" und nicht von "Tochter"." (DW, S.393,36ff). Richtig verstanden bedeutet das Nun, von dem Eckehart hier spricht, nicht die Überzeitlichkeit oder heilige Zeit als eine der Voraussetzungskonstanten der "Grund"erfahrung, sondern Zeit in ihrem quantitativen Charakter. Quantitativ verstandene Zeit, ähnlich wie quantitativ verstandener Raum, korrespondieren in der mystischen Sicht mit der Nichtigkeit des Seienden als einem Ausfloss aus dem substanziell- vorursächlichen Sein, mit dem, "daz niht waz got". Die Weiblichkeit als ein symbolisch interpretierter Ausdruck jenes geschaffenen und geschöpflichen Seins nimmt hier einen bemerkenswert niedrigeren Rang ein als die Männlichkeit, die immer noch primär über ihre nähere Verbundenheit mit dem Unwandelbar- Einen als ein immanentes Seiend-Sein definiert ist, und das sogar bei Eckehart, der doch der Werdewelt so großes Gewicht beimisst! – Das Phänomen des Antifeminismus in seiner langen und komplexen philosophischen Tradition entzieht sich sicherlich formelhaften Erklärungsversuchen. Meiner Ansicht nach lässt sich jedoch ein Grundzug der philosophischen Abwertung des Weiblichen erkennen, der sich von seiner ethischen über die erkenntnistheoretische bis zur ontologischen Konzeption zurückverfolgen lässt: das Weibliche wird darum als defizitär angesehen, da es angeblich das repräsentiert, "daz niht waz got". (zurück)

(10) A. Haas, "Seinsspekulation und Geschöpflichkeit in der Mystik Meister Eckharts", in :"Gottleiden – Gottlieben", Frankfurt 1989, S. 172 (zurück)

(11) DW, S. 393, 30ff. (zurück)

(12) G. Wehr, "Meister Eckhart – Die Gottesgeburt im Seelengrund", Freiburg 1989, S. 21 (zurück)

(13) Diese Ansicht ist auch in der indischen Philosophie und insbesondere der samkhya- Analyse vertreten. Die prakrit, stoffliche Ausgedehntheit des All- Einen in seinen Partikularexistenzen, ist eine Frau und liebt den Mann, purush, die im "Grund" jeder Partikularexistenz zeitlos wesende Seinsgleichung. Jene hypothetische Liebe des Seienden für das, was im "Grund" für sein Seiendsein verantwortlich ist, macht auch den Wert des hier religiös gegründeten philosophischen Konzepts der Weiblichkeit aus. Vgl. a. Brihad.- Arany. Up. IV,1: "Die Frau ist ein Opferfeuer, Gautama. Sein Brennholz ist ihr Schoss, die Haare sein Rauch; ihre Scham seine Flamme, die Zeugung seine Kohle, die Lust seine Funken. In diesem Feuer opfern die Götter den Samen; aus dieser Spende entsteht der Mensch." Diese Stelle ist natürlich nicht in einem vordergründig erotischen Sinne gemeint, sondern als ein Werdegleichnis des Seienden, das, ähnlich wie bei Eckehart, für den die Frau der "edelste Name" ist, nicht ohne die Präsenz des weiblichen Prinzips, das das All-Eine aus seiner Vorursächlichkeit heraus in der nachursächlichen Vielheit sichtbar macht, auskommen kann. (zurück)

(14) A.Haas, "Die Problematik von Sprache und Erfahrung in der deutschen Mystik", in: W. Beierwaltes, H.U. von Balthasar, A. Haas, "Grundfragen der Mystik", Einsiedeln 1974, S.88 (zurück)

(15) L.M.Giani, "Die Welt des Heiligen", München 1997, S. 150. Derselbe Autor macht auch darauf aufmerksam, dass es in der Kirche von Urschalling im Chiemgau eine mittelalterliche Darstellung der Trinität gibt, die aus Gottvater, Gottmutter und Gottsohn besteht. Die Gottmutter ist in diesem Fall nicht Maria, sondern das schöpferische weibliche Prinzip, die Verkörperung der ruach elohim, also der ursprünglich weiblich imaginierte Heilige Geist, der die Werdewelt durchströmt und mithin auch Erkenntnis ermöglicht. – Ich frage mich indessen, ob diese Darstellung tatsächlich Seltenheitswert hat bzw. ob ihr Seltenheitswert valid ist: könnte es nicht sein, dass ein Bildersturm, wie er ja in der Geschichte der abendländischen Beschäftigung mit dem Sakralbereich bekanntermaßen nicht gerade selten vorkam, ähnliche Bildnisse wegen epochentypisch mangelnder politischer oder letztendlich ideologischer Korrektheit einfach verschwinden ließ ? Vielleicht hatten wir mehr ruach- Darstellungen, als wir heute meinen! (zurück)

(16) Eine psychophysische Einheit, wie sie Eckehart vorstellt, scheint mir übrigens eine Vorstellung zu sein, die im mittelalterlich- scholastischen Denken häufiger auftritt, als man vielleicht glaubt, und die dem heutigen Forscher wohl oft erstaunlich modern vorkommen mag. Nicht nur Albertus Magnus, sondern auch Dante, dessen Vorstellungskanon möglicherweise gar nicht selten aus dem gleichen Ideenpool schöpft wie dem, aus dem heraus sein Zeitgenosse Eckehart seine erkenntnistheoretischen Spekulationen entwickelt hat, findet ein ähnliches Motiv. Er beschreibt in seiner Divina Commedia(Purgatorio, IV) das Miteinander zweier Tendenzen der erkenntnistheoretischen Orientierung, die sich sowohl in Bezug auf ihre Selbstdarstellung als auch in Bezug auf ihre Interrelation sehr gut mit dem vergleichen lassen, was Eckehart über den Mann und die Frau in der Seele aussagt:

"Wenn eines unsrer seelischen Vermögen von Lust oder von Schmerz ergriffen wird und sich die ganze Seele darauf einstellt, so zeigt sich´s, dass sie sonst auf nichts mehr achtet. Und damit ist der Irrtum widerlegt, dass mehr als eine Seele in uns wirke. Wenn also ein Gehörtes, ein Geschautes Die Seele anzieht und gefangen hält, so geht die Zeit dahin, man merkt es nicht: denn eins ist das empfindende Vermögen, ein andres das umfassend denkende, und dieses bindet sich, wenn jenes schweift."

Hier werden drei Punkte erörtert, die auch der Dominikaner betont: einerseits die Polarität des Geistigen. Erkenntniskräfte wirken nicht dualistisch wie etwa im Sinne des Manichäismus, als Kontrahenten, die für sich Autonomie anstreben, sondern sie sind polar in ihrem unzertrennbaren Aufeinanderbezug in der einen Seele, respektive dem ungeteilten Gesamt der Imagination/ Kognition. In Eckeharts Todespredigten prädiziert die "Frau" den Tod des "Mannes" – nicht etwa triumphierend im Hinblick auf ihre Einzelstellung, sondern als Klage um die verlorene Einheit. Zweitens die Unterscheidung von erkenntnistheoretischer Extraversion und Introversion. Dante bezeichnet diese beiden Tendenzen als das "empfindende Vermögen" und das "umfassend denkende", was analog zur Frau bzw. zum Mann in der Seele gesehen werden kann. Der "Mann" ist als Metapher für die Vernunfterkenntnis diejenige Komponente in der Seele, die sammelt, konzentriert, und in der Sammlung der Vielheitseindrücke schließlich in die Einheit als Prämisse der Gestaltwahrnehmung zurückgelangt: sie ist auch bei dem Mystiker die "umfassend denkende", das heißt, zur Entstaltung hin gestaltende, Instanz. Die "Frau" hingegen ist "schweifend" – an Sinneseindrücke gebunden, die ohne die Enstaltung der Vielheit durch die Vernunft die nicht zur Ruhe der Einkehr ins Seinseine führen. Drittens und letztens die Interrelationalität der beiden Tendenzen. Das Zusammenwirken beider Tendenzen ermöglicht Erkenntnis als Apperzeption. Auch Dante unterscheidet, und das ist gerade im Hinblick auf die Zeitproblematik interessant, perzeptionelle Wahrnehmung als bindend, Apperzeptionelle Wahrnehmung als schweifend. Das Bindende der perzeptionellen Wahrnehmung meint die Zeit- und Ortverhaftetheit der sinnlichen Erfahrung, die ihr zugrundeliegt, das Schweifende der Apperzeptionellen Erfahrung meint die reflektorische Überwindung von Zeit und Ort als Wahrnehmungskonstanten der physischen Sphäre im begrifflichen Denken und ein Einwärtsgehen in die Sphäre der reinen Imagination/Kognition oder der geistigen Vorschöpfung in der kabbalistischen Welt Yetzirah. Jenes Einwärtsgehen ist eine Entschleunigung von lösendem Charakter, im Unterschied zum bindenden Charakter des Auswärtshaften der Perzeption. Das Ende der Entschleunigung ist der zeitlose Moment des Nuns, in dem der mystische Tod stattfindet als Aufhebung der kognitiv repräsentierten Objektbeziehungen in der Identität des Seins mit sich selbst: "...so geht die Zeit dahin, man merkt es nicht". (zurück)

 

Zur Autorin: 

Jahrgang 1976, Studium der Philosophie in Freiburg und Saarbrücken, Magisterarbeit bei Kuno Lorenz über Meister Eckehart, zur Zeit Doktorandin für die DFG im Saarbrücker Graduiertenkolleg "Interkulturelle Kommunikation in kulturwissenschaftlicher Perspektive".