Einführung
In ihrem gegenwärtigen Zustand besitzt afrikanische Philosophie eine
auffallende Ähnlichkeit mit der griechischen Philosophie des Sokrates.
Diese war eine Philosophie des Marktplatzes; sie war zugänglich für
den einfachen Mann, bewahrte aber doch auch eine unvergängliche Tiefe.
Sie wurde nicht durch schriftliche Mitteilungen weitergegeben, sondern
von Mund zu Mund. Bis in die jüngste Zeit ist auch afrikanische Philosophie
eine Angelegenheit mündlichen Austausches. Sie wird von weisen Männern
in persönlicher Zwiesprache jungen und gewöhnlichen Leuten mitgeteilt,
zu dem einzigen Zweck, sie zu einer im umfassenden Sinn des Wortes "guten"
Lebensführung zu bewegen.
Der dabei praktizierte Diskurs erweist sich dadurch als eine Spielart der
Philosophie, daß ihm alle typische Strukturelemente philosophischer
Wirklichkeitsbetrachtung eignen. Es finden sich in den Dialogen, die von
den "weisen Männern" Afrikas geführt werden, Metaphysik,
Ethik, Erkenntnistheorie und Logik. Über "die afrikanische Philosophie"
auf eine breitangelegte Weise zu sprechen, könnte indessen dem Unterfangen
gleichkommen, über "die Geschichte der Welt" zu reden. Beide
Aufgaben sind unerfüllbar. Aus diesem Grund werde ich mich in meiner
Erörterung auf Zimbabwe beschränken. Daher meine ich mit "afrikanischer
Philosophie" in diesem Aufsatz Philosophie nach dem Verständnis,
wie es in Zimbabwe bei den Volksgruppen der Shona und Ndebele herrscht.
Ich werde die von mir behandelte Thematik auf die metaphysischen und ethischen
Elemente jener Philosophie eingrenzen. Ich muß so verfahren, da sich
auch die Religionen meistens um Metaphysik und Ethik drehen, mit denen
afrikanische Philosophie in ihren Fragestellungen vielfach verwandt ist;
das christliche Evangelium stellt hier keine Ausnahme dar.
[Kommentar von U. Voigt: Kurasha handelt hier und in der Folge nicht bloß
"über" afrikanische Philosophie; er schreibt ganz bewußt
auch formaliter als afrikanischer Philosoph - orientiert an der von ihm
gerade erwähnten mündlichen Tradition. Daher sollte in der Folge
die hohe Zahl von konkreten Beispielen und von Wendungen aus afrikanischen
Muttersprachen nicht verwundern. Hier zeigt sich afrikanisches Philosophieren
"in process": Kurasha intendiert durchaus eine Allgemeinverbindlichkeit
seiner Aussagen, erzielt dies aber nicht jenseits erzählbarer Geschichten,
sondern in diesen. Vom Material alltäglicher Erfahrung wird nicht
abstrahiert. Der "Logos", d.h. das auf eine Begründung fragwürdiger
Sachverhalte hinzielende Denken(1),
wird nicht aus dem "Mythos"(2)
herausdestilliert oder an dessen Stelle gedrängt, sondern bleibt stets
inkarniert in vertrauten Erzählungen. So vollzieht sich auch die Begegnung
zwischen den Kulturen - wie der afrikanischen mit der vom Christentum mitgeprägten
europäischen - in erster Linie nicht als ein Austausch von Prinzipien
und Manifesten. Erfahren und angestrebt wird vielmehr ein lebendiges Gespräch
zwischen den jeweils maßgeblichen Erzählungen - eben den Mythen,
deren Gestalten sogleich von Kurasha aufgeführt werden, und dem Evangelium.
In diesem "Logos" der christlichen Tradition findet Kurasha offenbar
die ihm geläufige narrative Ebene wieder, auf der wesentliche Aussagen
ihn und seine Landsleute betreffen können]
Der grundsätzliche Zusammenhang
zwischen afrikanischer Metaphysik und Ehtik
Metaphysik ist eine philosophische Kerndisziplin,
die den Sinn der "Existenz" oder des "Seins" thematisiert.
Sie sucht nach Antwort auf zwei grundlegende Fragen, nämlich: "Welchen
Dingen bzw. Wesenheiten kann 'Sein' im Vollsinn zugesprochen werden?",
sowie: "Was läßt sich über die Seienden als Seiende
aussagen?"
Wie die meisten Autoren der großen philosophischen Tradition differenzieren
auch die afrikanischen Denker zwischen körperlichen Objekten und geistigen
Seienden, setzen diese beiden Wirklichkeitsebenen zugleich aber auch in
Beziehung zueinander.
Die Höhenzüge namens "Mapoto Hills", "Wedza Mountain"
und "Chinoyi Caves" sind typische körperliche Objekte. Ihnen
aber sind nach afrikanischer Tradition "Ahnengeister" zugeordnet,
die auf ihnen "wohnen". Bei diesen Ahnengeistern - "Ambuya
Nehanda", "Sekuru Kaguvi", "Munhumutapa" und "Chaminuka"
- handelt es sich um typische geistige Seiende auf einer nationalen Ebene,
obwohl sie einst körperliche Seiende waren. Familien haben ihre eigenen
geistigen Vorfahren, die je verschiedene Ränge einnehmen. Auch einzelne
Männer und Frauen existieren als körperliche oder geistige Seiende.
Afrikanische Philosophie teilt den Dingen und Wesenheiten, denen sie "Sein"
zuspricht, charakteristische Eigenschaften zu. Dabei besteht eine intensive
Verbindung zwischen der Sphäre naturalen und personalen Seins, zwischen
den oben erwähnten Bergen und den Ahnengeistern. Die meisten dieser
Berge gelten als heilige Orte, da sie durch die dort lebenden Geister "geistig
geprägt" sind; das "Physische" wird in afrikanischer
Spiritualität in "meta-physischer" Tiefe erfahren und verstanden.
Auch einige der lebenden Individuen besitzen für die afrikanische
Familie geistige Bedeutsamkeit, indem sie als Medien der Transzendenz dienen;
daher werden ihnen besondere Namen beigegeben. Darüber hinaus sagt
afrikanische Metaphysik ganz allgemein, daß jedes Individuum von
Ahnen aus seiner Familie, Midzimu, umgeben und begleitet wird, die es "führen"
und "behüten". Vor diesem Hintergrund ist der Glaube zu
verstehen, wonach über diejenigen, die anderen Böses zufügen
und Leiden bereiten, notwendigerweise der Zorn, "Ngozi", kommt.Hieran
wird deutlich, daß in afrikanischem Philosophieren eine tiefe organische
Verbundenheit zwischen Metaphysik und Ethik besteht.
Ebenso wie afrikanische Metaphysik ist auch afrikanische Ethik um die "Per-son",
das Durch-tönen der Transzendenz in der Immanenz, zentriert. Afrikanische
Metaphysik ist frei von den Verengungen eines modernen westlichen Physikalismus,
der das Sein der Person ausklammert oder höchstens am Rande thematisiert.
Die afrikanische Metaphysik ist demgegenüber durch und durch personalistisch.
Die Person steht im Zentrum bei der Beschreibung selbst eines ganz konkreten
Gegenstandes wie des "Mapoto Hill" oder "Gomo reWedza".
Berge und Bäume sind heilig wegen ihrer Bewohner, gleichwie ein Regierungssitz
von den hochgestellten Personen her seine Bedeutung empfängt, die
sich an ihm aufhalten. Die Präsenz der Geister ist dabei für
die Erfahrung des physischen Seins der Berge und Bäume keineswegs
irrelevant. Denn dieses partizipiert nun am geistigen Sein, ist dessen
"Ort" und "Medium"; dadurch gewinnt es gewissermaßen
selbst eine geistig-personale "Tiefe".
Afrikanische Ethik wird von der afrikanischen Metaphysik beeinflußt,
ja wurzelt in dieser. Ein Individuum verdient Respekt im Grunde auch wegen
der Ahnen aus seiner Familie, die es behüten und führen und die
zu seinem konkreten Sein gehören. Von daher ist die Person Munhu,
ein ganz besonderes Seiendes, dem es gebührt, mit überragender
Achtung behandelt zu werden, weil es ist, was es ist, und weil es in Verbindung
mit Ahnen steht. Mein Bruder Tererai z.B. ist ein Repräsentant der
Familie Kurasha, der Dzingsai-Dynastie und noch von anderem vaMbire. Daher
gebührt ihm natürlicherweise ein hohes Maß an Achtung.
Denn er steht nicht für sich allein. Eine Ungerechtigkeit, die ihm
zugefügt würde, träfe auch all die anderen (körperlichen
wie geistigen) Personen, die mit ihm eine (Seins-)Gemeinschaft bilden.
Afrikanische Ethik schätzt aber eine Person noch aus anderen Motiven
denn aus metaphysischen. Es sind dies gleichsam "analytische"
Gründe, basierend auf einer Erkenntnistheorie der Kultur. Eine Person,
die diese Bezeichnung verdienen soll, muß sich wie eine Person verhalten
und wie eine Person handeln - Munhu ngaaite somunhu. Wesentlich ist hierbei:
Die afrikanische Philosophie besitzt einen eigenen Begriff von Person,
der sich nicht in einer ontologisch-metaphysischen Bestimmung erschöpft,
sondern vielmehr das Ethische als zum Kern der Person gehörend auffaßt.
Nach diesem Verständnis impliziert das "Begreifen" einer
Person zugleich ein "Ergriffenwerden" von der ethischen Verantwortung
dieser Person gegenüber. Wenn jemand jenen Begriff der Person oder
Munhu versteht, dann sollte dieses Verstehen demnach auch sein Verhalten
beeinflussen. Der Begriff der Person wird in der afrikanischen Philosophie
dazu verwendet, bestimmte Kriterien zu bezeichnen, die eine Person erfüllen
muß, um jene Bezeichnung zu verdienen. Dies führt zu dem Postulat,
daß der Träger von Personalität in seinem moralischen Verhalten
gereift ist. Ferner hat er sich mit einem bestimmten Maß an Würde
zu betragen und schließlich Gespür für die Bedürfnisse
anderer und die Pflichten ihnen gegenüber zu entwickeln.
Erfüllt jemand all diese Kriterien, dann erst können ihn die
Shonas als einen Menschen beschreiben, der alle Qualitäten einer "Person"
besitzt: ane hunhu. Dieser Wesenszug gilt für gewöhnlich als
spezifisch afrikanische Eigenheit; er mag durch das folgende Fallbespiel
erläutert werden.
Vor einiger Zeit bestand in einem Nachbarland Zimbabwes eine lebendige
christliche Gemeinschaft, die sich aus Angehörigen verschiedener Rassen
zusammengesetze. Es geschah nun, daß einer der Kirchenangehörigen
ernsthaft erkrankte und nach kurzem Aufenthalt im örtlichen Hospital
verschied. Er starb um die Zeit des Mittagessens, als gerade die Gottesdienste
zu Ende gingen. Es war unübersehbar, daß alle "Personen"
- vanhu / abantu - zum Krankenhaus gingen. Und dies galt auch für
schwarze "Personen" - vanhu - aus Ländern wie Äthiopien.
Trotz der kulturellen Gegensätze verhielten sich die Afrikaner so,
wie es nach analytischem Verständnis als Personen von ihnen - savanhu
/ ngubantu zu erwarten war. Die Weißen dagegen gingen nach Hause
zum Mittagessen. Aus moralischer Perspektive war dies zwar nicht verwerflich;
doch würde einer von ihnen sein Mittagessen geopfert und sich den
anderen auf dem Weg ins Krankenhaus angeschlossen haben, er wäre als
jemand gewürdigt worden, der sich wie eine "Person" verhalten
hat - somunhu.
Wenn eine Situation auftritt, in der ein anderer Mensch besonderer Zuwendung
bedarf, so wird von einer "Person" - munhu / umhuntu - erwartet,
daß sie eine geradezu überschwängliche Art von Mitgefühl
unter Beweis stellt und sich bei ihren Hilfeleistungen vorbehaltlos verausgabt.
Kommentar von U. Voigt: Diese Skizze afrikanischer Philosophie zeigt sehr
deutliche Konvergenzen, aber auch Differenzen gegenüber der klassischen
europäischen Philosophie, wie sie sich zuerst in Griechenland entwickelt
hat. Auf die Ähnlichkeit afrikanischer Weisheitsvermittlung zu der
sokratischen "Philosophie des Martkplatzes" hat ja Kurasha schon
im ersten Satz dieses Beitrages hingewiesen; ein kurzer Vergleich mit sokratisch-platonischem
Philosophieren mag von daher der Profilierung afrikanischer Philosophie
für europäisches Bewußtsein dienen.
Die Philosophie eines Sokrates und der von ihm herrührenden Traditionslinie
(Platon, Aristoteles) zeugt vom Bemühen um dialogische Wahrheitssuche und
Wahrheitsfindung(3). In ihrem Zentrum steht gleichfalls
die Person mit ihrer Fähigkeit, Wahrheit in gemeinsamer Unterredung
zu erkennen und mitzuteilen. Diese Mitteilungen lehnen sich häufig
an mythische Sprechweisen an(4).
All diese Züge lassen sich im afrikanischen Philosophieren bei Kurasha
finden.
Ein Blick auf Genese und Anliegen der klassischen griechischen Philosophie
zeigt aber auch, worin sich der personalistische Zug des frühen europäischen
Philosophierens von der afrikanischen Situation gravierend unterscheidet:
Sokrates und Platon sahen sich bereits mit einer entfremdeten Form des
Logos konfrontiert und sahen es als ihre Aufgabe an, diese Entfremdung
zu überwinden. Afrikanische Philosophie hatte einen derartigen Konflikt
nicht auszufechten und konnte dadurch eine größere Unbefangenheit
im Umgang mit traditionellen Mythen bewahren. Diese je verschiedenen Ausgangsvoraussetzungen
brachten für beide Seiten spezifische Stärken und Defizite mit
sich.
Sokrates und Platon wehren sich gegen die Bestreitung spontaner und selbst-verständlicher
menschlicher Wahrheits- und Wirklichkeitsfähigkeit, zu welcher das
westliche Denken schon damals in Gestalt der Sophistik neigte (z.B. im
grundsätzlichen Relativismus eines Protagoras und im absoluten Skeptizismus
eines Gorgias). Gegen diesen rationalistischen Versuch, alle herkömmlichen
Geltungsansprüche außer Kraft zu setzen, genügte es nicht
mehr, sich auf Mythen als absolute Autoritäten zu berufen. Der Mensch
als Vernunftwesen war gewissermaßen erwachsen geworden; er fühlte
sich "wie ein Kind behandelt" und reagiert allergisch, wenn beispielsweise
auf dem Gebiet der Kosmologie eine Aussage in der Gestalt "irgendeines
Mythos" auftrat und dieser ohne weitere Reflexion als unhintergehbar ausgegeben
wurde(5).
Das, was am Tradierten verbindlich und sinnvoll sein mochte, mußte
von der Ebene her verteidigt werden, von der seine Destruktion drohte.
Daher wollten Sokrates und vor allem Platon aufzeigen, daß die in
Frage gestellten ontologischen, erkenntnistheoretischen und ethischen Inhalte
gerade der Vernunft zugrunde liegen, die sie außer Kraft zu setzen
trachtet.
Der "Logos"-Gehalt der Mythen kann sich in einer solchen Situation
gegen die Attacken sophistischer "Logik" nur behaupten, indem
er sich auch auf eine höhere Abstraktionsebene begibt, dabei aber
die sophistische Verschließung in sich selbst vermeidet. Wie Augustinus
es später formuliert, dem sokratisch-platonischen Anliegen durchaus gerecht
werdend(6): Der Rückzug des Geistes in sich selbst
dient nicht dazu, ihn von allem Wirklichkeitskontakt zu befreien. Bleibt
er dabei nicht auf halber Strecke in sich selbst stehen, so stößt
er an seine eigene innere Grenze in Gestalt seiner Kontingenz. Dann wird
er über sich selbst hinaus auf seinen Grund verwiesen, von dem aus
auch die Wahrheit der zunächst fragwürdig gewordenen äußeren
Realität gewährleistet wird. Diesen Grund erfaßt Platon
in Form der "ideellen" Gehalte, die der Logos sowohl in der Außenwelt
als auch, auf besonders qualifizierte Weise, in sich selbst anzutreffen
vermag, während Aristoteles deren Präsenz im konkreten sinnenfällig
erfahrbaren Seienden selbst betont(7).
Sowohl Platon als auch Aristoteles leisten jene erneute Zuwendung des Geistes
zur Wirklichkeit allerdings um den Preis eines gewissen Dualismus von Idee
und Sinnending bzw. Form und Stoff. Dieser Dualismus blieb gerade dem afrikanischen
Philosophieren fremd, wodurch es, anders als das europäische, vor
einer mechanisierenden "Entzauberung" der Welt bewahrt wurde.
Die Entwicklung des afrikanischen Philosophierens, wie Kurasha sie nachzeichnet,
ist demnach offenbar anders verlaufen. Ihr Logos hatte sich nicht mit entfremdeten
Formen seiner selbst auseinanderzusetzen; sie fand keine "sophistischen"
Gegner, die sie in eine gefährliche, aber auch chancenreiche Evolution
getrieben hätten. Die Gefahr, die dem sich von Sokrates und Platon
herleitenden Philosophieren innewohnt, besteht gerade in der zunächst
überwundenen Möglichkeit einer erneuten sophistischen Selbstverschließung
des menschlichen Geistes - die dafür "benötigten" logischen
Werkzeuge, die im Sinne einer selbstbezüglichen Dialektik mißbraucht
werden können, führt auch eine Dia-logik mit sich, deren Anspruch
es eigentlich ist, Offenheit zu bewahren. Wie gerade gesehen, begünstigt
der Dualismus der klassischen griechischen Philosophie darüber hinaus
ein distanziertes Verhältnis des Menschen zur außermenschlichen
Umwelt. Kombiniert sich diese Einstellung mit einer neuerwachenden Zentrierung
des Intellekts um sich selbst, so erscheint die Natur, bar jeder eigenen
Wertigkeit, als ausbeutbares Objekt eines technokratischen Zugriffs. Die
krisenhaften Folgen dieser "Bearbeitung" der Welt machen sich
heute immer stärker bemerkbar und führen auch mehr und mehr Menschen
dazu, sich außerhalb Europas nach spirituellen Alternativen zur technologischen
Zivilisation umzusehen.
So ist es auch zu einem erneuerten Interesse an den Chancen gekommen, die
der in ihrer Ursprünglichkeit verbliebenen afrikanischen Philosophie
innewohnen; freilich sollten darüber auch deren Risiken nicht vergessen
werden.
Chancen besitzt sie, weil in ihr Wahrheit unmittelbar als etwas Anschauliches
und damit unmittelbar Handlungsleitendes aufscheinen kann. Sachverhalte
wie eine generationenübergreifende, auch Tote und Ungeborene umfassende
Solidarität oder ein behutsamer Umgang mit der außermenschlichen
Natur, also Themenkreise der Ethik, Anthropologie, Naturphilosophie usw.
kleidet Kurasha in eine Sprache, die ihre Nähe zu afrikanischen Mythologumena
wie dem Ahnenkult und einer animistischen Naturfrömmigkeit gar nicht
verleugnen will. Inhalt und Gestalt seines Philosophierens zeugen von der
Freude, die seine Kultur in Spiel und Feier entfalten kann, sowie von einem
unbefangenen Zugehen auf das Neu- und Fremdartige. "Erkennen wollen"
heißt in diesem Zusammenhang stets: "sich überraschen lassen
wollen", und auf keinen Fall: in den Griff nehmen wollen. Die Sphären
des Personalen und des Naturalen stehen zueinander in einem innigen, "sym-biontischen"
Verhältnis wechselseitiger Durchdringung, wie es der Mythos vom "Innewohnen"
der Ahnengeister in Bergen und Bäumen ausdrückt(8).
Die Achtung vor naturalen Gegebenheiten wie vor den Mitmenschen entspringt
in diesem Kontext nicht formalen ethischen Sätzen, deren "Strahlkraft"
im Ernstfall allzu schwach sein mag, sondern dem spontanen Erleben und
Anerkennen des personalen Gegenübers, sei es nun unmittelbar sinnenfällig
oder "unsichtbar".
Gefährlich kann eine derartige Mythosnähe des Logos allerdings
dann werden, wenn sie mit einer verminderten Kritikfähigkeit einhergeht.
Mußte sich der im Hintergrund stehende Komplex konkreter Mythen doch
nie der prüfenden und ggf. auch läuternden Krisis durch eine
von ihm abgehobene Rationalität unterziehen. Diese Gefahr sieht Kurasha
sehr deutlich, wie der nächste Abschnitt belegt; daher muß an
dieser Stelle nicht weiter auf die Schattenseiten afrikanischer Philosophie
eingegangen werden.
Notwendigkeit und Möglichkeit einer Bereicherung afrikanischer Philosophie
aus der Begegnung mit dem christlichen Evangelium
Neben seiner Tradierung auf dem mündlichen Wege ist ein weiteres Charakteristikum
afrikanischen Philosophierens, daß es stets traditionelle Autoritäten
berücksichtigt. Diese Orientierung an dem Überlieferten beruht
auf einem unreflektierten Glauben an die Heiligkeit unvordenklicher Traditionen
und die Legitimität derer, die die Ausübung dieser Autorität
initiierten.
In jeder afrikanischen Gemeinschaft gibt es traditionelle Autoritäten
- wie die älteren Angehörigen einer mehrere Generationen umspannenden
Großfamilie -, deren Aufgabe es ist sicherzustellen, daß den
Überlieferungen Folge geleistet wird. Einige dieser Traditionen werden
darüber hinaus durch Geistesmedien (wie z.B. Heiler) vermittelt.
Afrikanisches Philosophieren mag beeindrucken als differenziertes System,
das mündliche Tradition und traditionelle Autorität in sich integrieren
kann. Es mag sich auch als beispielhaft inkulturiert erweisen, insofern
es in Afrika eine Tugend darstellt, sich von Kritik an Älteren zurückzuhalten
und afrikanische Philosophie nicht ohne weiteres mit diesem Brauch bricht.
Jedoch zieht gerade diese Bruch-Losigkeit auch Nachteile nach sich. Die
Schwächen der afrikanischen Philosophie mußten sich keiner Herausforderung
stellen - und dies bedeutet schon per se ein Defizit.
Dies wird überdeutlich, betrachtet man die Situation Afrikas aus der
Perspektive einer allgemeinverbindlichen Ethik, wie das christliche Evangelium
sie nahelegt. In der Folge werden einige der Gebiete aufgeführt, auf
denen die Schwachstellen der afrikanischen Lebensart sichtbar werden können.
1. Frauen erlitten Demütigungen im Namen der Tradition, auch indem
sie ganz konkret in soziale und ökonomische Randstellungen gedrängt
wurden. So läßt z.B. auf der Grundlage afrikanischer Metaphysik
und Ethik das traditionelle Erbschaftswesen eine Witwe nicht nur ohne Ehemann,
sondern auch noch ohne Vermögen und ohne Unterstützung seitens
ihrer Kinder zurück.
2. Künstliche Diskriminierung opferte Tausende im Namen von Sippe
und Stamm hin. Das Prinzip: "Du sollst nicht töten" bekam
die eingeschränkte Bedeutung: "Du sollst keine Person aus deinem
Stamm töten". Die Geltungsbereiche von Ethik und Metaphysik in
Afrika fielen, wie die Ethik und Metaphysik des Alten Testamentes, de facto
mit dem Umfang des eigenen Stammes zusammen.
3. Es ist eine übliche Vorgehensweise in unserer afrikanischen Tradition,
daß junge Knaben und Mädchen von älteren Mitgliedern ihrer
Familie als lebende Pfänder benutzt werden, um Streitigkeiten in der
Gemeinschaft beizulegen.
Dies mag zu der Einsicht führen: Afrikanische Philosophie besitzt
zwar viele "starke Seiten". Sie leidet indes auch unter "blinden
Flecken" auf dem Feld der Ethik, was krasse Grausamkeiten verursachen
kann und auch tatsächlich verursacht hat. Und das läßt
sich wohl als eine "schlechte Botschaft" verstehen - als genaues
Gegenteil einer Heilszusage, wie sie sich im christlichen "eu-angelion",
der "guten Botschaft", findet. Die Begegnung mit dem "Evangelium"
kann daher einen kritischen Impuls zur Weiterentwicklung und tieferen Selbstfindung
afrikanischer Kultur und Philosophie auslösen.
Für eine Frau, die Jahre der Unterdrückung erlitten hat - für
ein Kind, das zum wehrlosen Objekt einer Friedensvereinbarung wird - für
jede verheiratete Frau, die sich mit der Möglichkeit konfrontiert
sieht, jederzeit zur Witwe zu werden - für einen Mann, der einmal
nicht mehr für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen könnte,
weil er aus Gründen seiner Stammeszugehörigkeit keine Beschäftigung
mehr findet: für sie alle ist das Neue Testament ein aufregendes Buch.
Es wird als eine "gute Botschaft" erlebt.
Denn wir begegnen hier der Erzählung von einem "Friedens-Fürsten",
einem Menschen, der die Achtung vor jedem personalen Sein, wie sie auch
für afrikanische Philosophie zentral ist, in zwanglos-gebieterischer,
da lauterer Beispielhaftigkeit vorlebt und dabei von jeglicher ethnischen
Gebundenheit befreit. Das "Evangelium" handelt von der konkreten
Geschichte dieses Menschen: seiner Geburt, seinem Heranwachsen, und vor
allem von seiner "Inthronisation" und dem Anbruch seiner "Herrschaft"
- Begrifflichkeiten, die in einem afrikanischen Kontext unmittelbar verständlich
sind.
Die Rede von einer "neuen Herrschaft" darf nicht so mißdeutet
werden, als ob nur eine Tyrannis eine andere ablöste. Erzählt
wird vielmehr der Anfang einer neuen, gerechten Regierung; und dieser bringt
üblicherweise unsagbare Freude mit sich. Dies ist eine Erfahrung,
die aus dem Gebiet der Politik auf die Ebene der persönlichen Einstellung
und des zwischenmenschlichen Verhaltens übertragen werden kann.
Soweit nun die Afrikaner von eingeengten und einengenden sozialen Prinzipien
beherrscht werden, erscheint demgegenüber das Evangelium als ein kraftvolles
ethisches Modell, das zur Befreiung und zur Einung Afrikas beitragen kann.
Für die Opfer der Ethnizität, die von Geburt an mit der Auffassung
indoktriniert wurden, daß sie in auserwählte "Juden"
und verworfene "Heiden" (bzw. in "Shonas" und "Ndebeles")
zerfallen, und die hingeschlachtet wurden um dieser beiläufigen Eigenschaften
willen, wird das Evangelium zu einer moralischen Einstellung, die die geistigen
Barrieren zerbricht mit ihrer Deklaration, "daß es keinen Juden
oder Heiden gibt." Diese Botschaft läßt sich auch und gerade
in einem afrikanischen Zusammenhang verstehen: Wir alle sind eins!
Wer ferner das Gleichnisses vom "Guten Samariter" unter den Bedingungen
Zimbabwes liest, für den gewinnt das Evangelium in diesem afrikanischen
Land die konkrete Bedeutung, die es auch für Martin Luther King Jr.
in Amerika besaß. Wie die Straße von Jericho nach Jerusalem
eine gefährliche Straße war, so ist auch die Straße von
Rugare, Mbare, Mkokoba nach Chisipite, unter ökonomischen Gesichtspunkten
betrachtet, gefährlich. Shonas und Ndebeles liegen in wirtschaftlicher
Hinsicht halbtot am Rand dieses Weges und werden dort auch liegengelassen
von einigen Shona- oder Ndebele-Leviten und -Priestern, die zu beschäftigt
oder zu sehr um sich selbst zentriert sind, um ihrer Besorgnis und ihrem
Mitgefühl nachzugeben und haltzumachen. Dies widerspricht im Prinzip
dem Geist afrikanischer Ethik, den ich weiter oben geschildert habe, doch
engt sich die in der Tradition geforderte Hilfsbereitschaft allen Personen
gegenüber durch Barrieren, die von eben dieser Tradition überliefert
werden, erheblich ein.
Angesichts dessen wirkt das christliche Evangeliums im umfassenden Sinne
befreiend. Es befreit die afrikanische Ethik nämlich nicht von dieser
selbst, sondern von ihren Defiziten und verhilft ihr dadurch dazu, noch
mehr zu sich selbst zu kommen. Wenn das Evangelium als Handlungsmodell
fungiert, wird ein Guter Samariter kommen, der sein Leben aufs Spiel setzt
und zugunsten der wirtschaftlich und gesellschaftlich Enteigneten aufsteht,
selbst auf die Gefahr hin, dabei umzukommen. Der Samaritaner - in diesem
Fall könnte es ein Chewa oder Sena sein - wird sich nicht fragen:
"Was wird aus mir, wenn ich diesem Shona oder Ndebele helfe, der dem
wirtschaftlichen und in letzter Konsequenz physischem Tod ausgeliefert
ist?" Vielmehr wird er, wie es Martin Luther King Jr. mit Recht dargelegt
hat, die Frage umkehren und sich fragen: "Was wird denn aus diesem
sterbenden Shona oder Ndebele, wenn ich ihm nicht helfe?" Das Evangelium
weist in Zimbabwe tatsächlich einen Weg zu dem schon im afrikanischen
Ethos selbst angelegten Ziel, die Afrikaner von den akzidentellen Spaltungen
des Stammeswesens und des Regionalismus zu befreien. Es gibt denen geistige
Kraft und Beherztheit, die es verinnerlicht haben.
In diesem Kontext liegen einige Assoziationen zu der Geschichte vom auferweckten
Lazarus nahe, wie sie Afrikanern angesichts ihrer eigenen Situation kommen
könnten: Die Ethik des Evangeliums wirkt einerseits auf diejenigen
ein, die sich in der überkommenen Routine einer nur begrenzten Hilfsbereitschaft
festgefahren haben. Deren innerlicher "Tod" wird revidiert, sobald
ihr abgestorbenes Gewissen erneut belebt ist und sie sich ihrer verdrängten
Fähigkeit zu schrankenlosem Mit-Leiden bewußt geworden sind.
Auf der Ebene des praktischen Handelns läßt sich die Lazarus-Gestalt
auf die Opfer der üblichen Ausgrenzungen beziehen. Zwar darf der afrikanische
Manager und Politiker seinen "Mercedes Benz" behalten, sollte
sich aber auch die Transportbedürfnisse der Vielzahl von Menschen
vor Augen halten, die in Samora Machel und Julius Nyerere Avenue leben.
Sie müssen nach Dzivaresekwa, Tafara und Chitungwiza kommen, bevor
ihre Kinder zu Bett gehen. Auch Lazarus (verstanden als ein einfacher Bürger
Zimbabwes, Herr Chidakwa) braucht ein ehrbares Familienleben und dazu die
entsprechenden ökonomischen Mittel.
Im Laufe dieser Betrachtungen ist wohl klar geworden, daß die afrikanische
Philosophie hinsichtlich ihrer Metaphysik und Ethik in Traditionen verankert
und eingebunden ist. Es könnten und müßten Bände über
ihre Schönheit, Gültigkeit und Stärke geschrieben werden.
Jedoch würde ich als erster zugeben, daß diese Philosophie nicht
alle Antworten bieten kann. Das Evangelium schwächt die afrikanische
Philosophie nicht, es stärkt sie. Das Verhältnis zwischen beiden
ist eine auf Entwicklung hin angelegte Beziehung.
Kommentar von U. Voigt: Afrikanische Philosophie scheint laut Kurasha einer
eigentümlichen Dialektik zu unterliegen, wonach ihre Stärke zugleich
auch ihre Schwäche ist. Als sehr konkret und mythennah gewährleistet
sie Allgemeinverbindlichkeit nicht, indem sie abstrakte Sätze aufstellt.
Ausschlaggebend ist vielmehr die Funktion der Geschichten als Wahrnehmungs-
und Handlungsmodelle. Der Sinn von Wahrheit besteht hier nicht darin, ein
distanziertes Objekt zu "erfassen" und "dingfest" zu
machen; Wahrheit ereignet sich in der Authentizität interpersonalen
Dialogs und vollendet sich in ver-antwortlichem menschlichem Handeln. Einen
integren Traditions- und Kommunikationszusammenhang vorausgesetzt, erscheinen
abstrakte Aussagen aus einer derartigen Perspektive heraus als überflüssig,
ja sogar als vom Eigentlichen ablenkend(9).
Der Konkretionsgrad sinnenfälliger zwischenmenschlicher Interaktionen
braucht und soll nicht überschritten werden, denn das Allgemeine,
worum es jeweils geht, ist je und je schon im besonderen Fall präsent.
Es wird erkennbar und vor allem wirksam als dessen eigene Binnenstruktur.
Anstatt beispielsweise einen formalen Begriff der Gerechtigkeit zu entfalten,
spricht Kurasha von städtischen Verkehrsverhältnissen, in denen
Unterprivilegierte benachteiligt sind, obwohl es Alternativen gibt; er
setzt diesen Zustand in Verbindung zu biblischen Lazarus-Geschichte - und
die wechselseitigen ethischen Implikationen brauchen
kaumangedeutet werden(10).
Wenn Kurasha auf den ersten Blick vielleicht etwas unvermittelt die Rede
vom christlichen Evangeliums einführt, dann will er nur aus der Sichtweise
eines oberflächlichen Betrachters die bloß faktische Berührung
zwischen zwei Kultursphären wiedergeben. Aber auch dabei gilt es zu
beachten, welche allgemeine Aussage sich - charakteristisch für afrikanisches
Philosophieren - in concreto verkörpert: Im Hintergrund steht die
Idee des "kreativen Friedens durch Begegnung der
Weltkulturen"(11). Und eine solche Begegnung erachtet
Kurasha offenbar als überaus notwendig.
Denn eine blind an Traditionen gebundene Weltsicht krankt, wie Kurasha
scharf aufzeigt, an Mißständen, und dies nicht nur de facto,
sondern aus innerer Gesetzmäßigkeit heraus.
Mag ein Traditionsgut inhaltlich noch so vollkommen sein, die Tradierenden
werden doch auch stets von ihren partikulären, egoistischen Interessen
geleitet - und eine bloß "buchstäbliche" Weiterüberlieferung
konserviert auch die dadurch bedingten Verzerrungen, wenn sie sich einmal
eingeschlichen und, nun ihrerseits zum Mythos gehörig, selbst "geheiligt"
haben. (Vgl. die von Kurasha genannten Beispiele der Frauendiskriminierung,
des Stammesdenken usw.)
Die naive Selbstgenügsamkeit, die sich mit allem Überlieferten
ohne Differenzierung ein für allemal zufrieden geben möchte,
ist erst durch Impulse von außen aufzubrechen. Einen solchen sieht
Kurasha im christlichen Evangelium. Aus persönlicher Erfahrung betrachtet
Kurasha diesen "Mythos" als eine Größe, die nicht
im möglicherweise interessegeleiteten "tödlichen" Buchstaben
aufgeht, sondern in konkreten Situationen immer neue, Blockaden lösende
Impulse zu geben vermag - und dadurch auch dem Anliegen afrikanischer Kultur,
größtmöglicher Lebendigkeit und Kommunikativität gerecht
werden kann.
Der afrikanische Philosoph wendet sich an die jüdisch-christliche
Tradition wohl auch gerade aus diesem Grund: Sie bietet ihm zufolge ein
Potential, mit dessen Hilfe das Denken seines Kulturkreises umgestaltet
werden kann, ohne ihm seine ureigene Gestaltung zu nehmen, ohne ihn - in
einem neuzeitlich-technokratischen Sinne - zu
verwestlichen(12). Kurasha ist kein Dialektiker hegelianischen
oder linkshegelianisch-marxistischen Schlages; er verficht nicht das Programm,
eine noch ursprunghafte Ganzheit sei durch die Entfremdung - in diesem
Fall: durch die analytische Zersetzung der eigenen mythisch-religiösen
Traditionen - zu treiben, um endlich aufzuwachen und zu sich selbst zu
kommen; er möchte den in den Mythen schlummernden Logos ohne Umweg
über einen als "sophisticated" zu bezeicheneden Rationalismus
steigern - daher "das Evangelium" als bevorzugter Gesprächspartner.
(Inwieweit auch die christliche Botschaft in ihrer konkreten europäisch-nordamerikanischen
Ausgestaltung einer Bereicherung durch afrikanische Mentalität bedürfte,
wäre ein anderes Thema, dessen Behandlung durch einen afrikanischen
Philosophen wie Kurasha gewiß so interessant wie erforderlich ist.)
Von dem hier aufscheinenden Anliegen einer wahrhaft grenzüberschreitenden
Kommunikation - nicht mit vorweg fixiertem Konsensideal, sondern aus der
Bereitschaft zum Überraschtwerden, zur Konfrontation mit dem Neuen
und Anderen - läßt sich Kurasha bewegen. Vielleicht sind seine
Reflexionen dazu geeignet, auch in unserer gleichfalls mit Defiziten behafteten
technologischen Kultur neue Perspektiven im Umgang mit Menschen wie mit
der Natur zu erschließen.
Prof. Dr. Jameson Kurasha (Harare / Zimbabwe [Afrika])
Englische Übertragung und Kommentar von Uwe Voigt (Bamberg)
Dieser Artikel geht zurück auf einen Vortrag, den Jameson Kurasha
im Sommersemester 1992 unter dem Titel "Afrikanische Metaphysik und
das Evangelium" an der Universität Bamberg gehalten hat. Prof.
Dr. Kurasha lehrt an der University of Harare (Zimbabwe / Afrika); Schwerpunkte
seiner Forschung sind Wirtschaftsethik, Erziehungsphilosophie und Wissenschaftstheorie/Logik.
Von ihm stammen in der Folge die sich unmittelbar an die Zwischenüberschriften
anschließenden Passagen; die Erläuterungen von Uwe Voigt (wiss.
Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie I der Univ. Bamberg) sind
durch die Notiz "Kommentar von U. Voigt" kenntlich gemacht.
(1) Vgl. Rainer Marten, Platons Theorie der Idee. München
1975, S. 21ff. (back)
(2) In der Folge verstehe ich unter "Mythos"
mit Leszek Kolakowski (Die Gegenwärtigkeit des Mythos. München
1973) und Ernst Cassirer (Philosophie der symbolischen Formen I, II, III
Darmstadt, 4. Aufl. 1963 - 1965) jede ganzheitlich-bildhafte sprachliche
Darstellung von Sinnzusammenhängen, die Antworten auf existentielle
Menschheitsfragen zu geben intendiert. (back)
(3) Zum folgenden vgl. Reiner Marten, a.a.O., S. 16ff.
(back)
(4) Vgl. Vgl. Gerhard Graf, Die sokratische Aporie im Denken
Platons, Winterthur 1963, S. 40 - 56. (back)
(5) Vgl. Platon, Sophistes 242c. (back)
(6) Vgl. Augustinus, De vera religione 39,72. (back)
(7) Vgl. Hermann Schmitz, a.a.O., S. 384 - 437. (back)
(8) Eine entsprechende Verbundenheit zwischen Ideenreich
und Sinnenwelt wollte Platon zwar auch mit dem Konzept der "Teilhabe"
(methexis) zum Ausdruck bringen; bei seiner eher abstrakt-formalen Betrachtungsweise
überwiegt jedoch eher der Aspekt des Differenzierens und Trennens.
(back)
(9) Einen derartigen Bezug zum Symbolisch-Ganzheitlichen
(zum "Mimetischen" und "Ästhetischen") als lebendighaltendem
Konstitutionsgrund für alle rationalen Bemühungen postuliert
u.a. Pierre Bordieu, Zur Soziologie der symbolischen Formen. Frankfurt
am Main 1974, S. 198. (back)
(10) Hinsichtlich der Nähe der konkret-narrativen
Passagen der biblischen Botschaft zu der von Kurasha skizzierten Eigenart
afrikanischer Philosophie vgl. Ottmar Fuchs, Zwischen Wahrhaftigkeit und
Macht. Pluralismus in der Kirche?, Frankfurt am Main 1990, S. 62 - 73.
(back)
(11) Vgl. Heinrich Beck, Creative peace through
encounter of world cultures. Conception of a philosophical-interdisciplinary
research project, in: Philosophy and the future of humanity (Jakarta),
vol. 1, No. 4 (1991), 365 - 378. (back)
(12) Vgl. Heinrich Beck, a.a.O., S. 365. (back)
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