Formen der Wirklichkeit:

Die Logik

von Laurent Verycken

 
"Der Verstand ist die Form der Formen."
-Aristoteles-

"Die Logik ist geknüpft an die Bedingung: Gesetzt, es gibt identische Fälle."
-Friedrich Nietzsche-

"Die menschliche Intelligenz kommt auf den Krücken des Analogieschlusses daher."
-Fritz Mauthner-

Organisation des Denkens bedeutet Einheit und Ordnung in unsere Gedankenwelt zu bringen. Ordnung gibt Sicherheit. Die ideale Ordnung ist das vollendet Logische. Der Kern des Denkens, der Logik und der objektiven Wissenschaft sind Symbole und Zeichen, bzw. Begriffe und Zahlen. Die Zahl ist die einfachste und allgemeinste Idee. Auf Zahlen kann man sich am ehesten einigen. Grössen können mathematisch und damit 'objektiv' ermittelt werden. Die Quantifizierung der Wirklichkeit geschieht durch Abstraktion, d.h. durch Wort oder Zahl. Das logische Rechnen mit Wörtern und Zahlen bestimmt 'wieviel' und 'wie gross'. Wir ordnen die Welt nach Begriff, Mass und Zahl. Alle Messungsgrössen sind Zähleinheiten oder Begriffsformen. Mathematisierung bedeutet Formalisierung. Die klassische Ding-Logik der quantitativen Begriffe ist die Logik der Messung. In der quantitativen Methode der Abstraktion werden sämtliche inkommensurable Grössen und qualitativen Unterschiede ausser acht gelassen und auf einen einzigen Köffizienten reduziert: den der numerischen und begrifflichen Zählbarkeit. Gleichartig ist dann alles, was mathematisch erwogen werden kann. Aus der 'Gleichheit' wird eine regelmässige Struktur und daraus eine Ordnung. 

Alle Erkenntnis beruth im Grunde auf menschlichen Abstraktionen in Form von begrifflicher Gleichsetzung. In der kategorialen Form ist das Urphänomen des logischen Denkens zu suchen. Indem wir ein Ding oder einen Vorgang benennen, legen wir ihm Identität bei. Wir nehmen einen gemeinsamen 'Charakter' an, wo wir eine Reihe von Einzeldingen mit dem selben Namen bezeichnen. Alles, was wir brauchen, ist eine Ereignisreihe, die für uns genügend Einheit besitzt, um entweder gemessen oder benannt werden zu können. Das logische Denken braucht abgegrenzte und in Einheit gefasste Objekte als Denkgegenstände. Erforschbar ist nur, was gleichbleibende Eigenschaften hat. Gegenständlichkeit ist deshalb eine absolute Voraussetzung allen Erkennens. Im logischen Denken werden darum 'Prozesse zu Dingen' gemacht. Die sprachliche, oder die logische Form ist der Anfang des isolierten Dings und der getrennten Existenz. Aus einem unendlichen, fliessenden Geschehen grenzen wir ein Objekt ab und machen es zum Ding, zur Substanz - wir vergegenständlichen die Wirklichkeit. Der Begriff des Dings ist aber nur eine 'künstliche' Einheit, die aus einem unendlichen Zusammenhang herausgerissen wird. 

Alles streng logische Denken ist nur auf abstrakte Objekte anwendbar. Sinnliche Erfahrungen sind primär wortlos. 'Sensa' sind stumm. In den Wörtern ist das Sinnliche abgestreift. Wenn wir etwas beschreiben, bezeichnen wir nicht unsere Empfindungen, sondern wir passen unsere Empfindungen den abstrakten Symbolen an. Subjektive Empfindungen und sinnliches Erleben werden zugunsten der pragmatisch verwertbaren, objektiven Konstrukte vernachlässigt. Im Vorgang des Abstrahierens halten wir immer den Fluss des konkreten Erlebens an. Im abstrakten Ausdruck nehmen unsere Sinneserlebnisse 'Form' an und geben ihren speziellen Charakter auf. Was mit einem Namen bezeichnet wird, wird als 'Ding' betrachtet. Die ähnlichkeit der Empfindungen wird zur Gleichheit des Begriffs. Vom Standpunkt des Identitätsgesetzes existiert das Kontinuum der Empfindungen nicht. Die Sprache ordnet zwar die Sinnesempfindungen, das Erleben selbst kann aber nur unzureichend in Aussagen ausgedrückt werden. Was als 'Individualität des Augenblicks' oder als das Besondere eines Moments empfunden wird, ist eine individülle Bedeutungsqualität, die wir 'erleben' und die durch eine verallgemeinernde Bezeichnung erheblich entstellt wird. "In der Sprache liegt die Reflexion und daher vermag die Sprache das Unmittelbare nicht auszusagen. Die Reflexion tötet das Unmittelbare. Das Unmittelbare ist nämlich das Unbestimmbare, deshalb kann es die Sprache nicht fassen." (1) Mit Worten gelangen wir keinesfalls über eine bildliche Darstellung der Welt hinaus. Kategoriale Verarbeitung der Empfindung heisst immer Vereinheitlichung des sinnlichen Stoffes und ist damit aber schon eine substantialisierende Verfälschung der gegebenen Wirklichkeit. Verallgemeinerungen stellen nur einen praktischen Wegweiser dar inmitten der Zufälligkeiten und Einmaligkeiten, sie sind aber nicht das Ziel. Wenn wir die Wirklichkeit mit einer Stadt vergleichen, so gelangen wir mit den Abstraktionen bestenfalls an den Stadtrand, aber nicht weiter. 

Unser ganzes Wissen besteht aus Worten und Zahlen. Diese Abstraktionen sind Sammelbezeichnungen für jeweils eine Klasse von Dingen. Begriffe werden gebildet, indem aus den gemeinsamen Merkmalen einer Reihe von Dingen eine Bezeichnung durch ein Wort gesetzt wird. Die Dinge werden nach Worten klassifiziert. Klassifikation und Systematisierung von sinnlicher Empfindung schafft den sprachlichen Ausdruck. Der statische Begriff tritt an die Stelle einer dynamischen Wirklichkeit. Denken heisst klassifizieren; etwas in diese oder jene Kategorie von Dingen einordnen. Angenommene Identität und Nichtidentität bilden deshalb die Basis des logischen Denkens. Klassifizierte Sachen sind miteinander vergleichbar und können züinander in Beziehung gesetzt, bzw. gegeneinander abgerechnet werden. Der verallgemeinernde Analogieschluss macht aus dem individüllen 'Material' eine allgemeine Vorstellung. Alle so entstehende Abstraktionen sind aber 'ideale' Vorstellungen, weil sie mehr das beschreiben, was sein 'sollte' und nicht das, was 'ist'. Nur dadurch, dass aus der bestenfalls bestehenden ähnlichkeit künstlich und willkürlich berechenbare Gleichheit gemacht wird, lassen sich weitere logische Schlüsse bilden. Die Vergleichung von blossen ähnlichkeiten gäbe keinen wirklichen Schluss. 

Logische Zugehörigkeit kann sich nur zwischen Elementen der gleichen Klasse abspielen. Die Logik braucht abgegrenzte und daürhafte Objekte, um ihre Arbeit tun zu können. Da keine Logik aber dem kontinuierlichen Verlauf in der Wirklichkeit entsprechen kann, muss das Isolationsdenken der Logik den lebendigen Zusammenhang kappen, der die Dinge verschieden macht. Abstrakte Identität gibt es nur durch Preisgabe der konkreten Verbindungen. Die ungeheure Vielfalt des Vorhandenen wird der reduzierenden Generalisierung geopfert. Künstliche Einheiten werden da aufgestellt, wo faktisch eine Vielheit besteht. Durch die Reduktion auf dieselbe Einheit sind dann verschiedene Dinge vergleichbar. Erst nach dieser künstlichen Aufbereitung kann mit den Worten weitergerechnet werden. Beschreibung ist aber stets Vereinfachung. Durch den Gleichklang des Namens werden immer grundlegende Unterschiede verwischt. 

Rationales, bzw. logisches Denken ist das begriffliche Auseinanderlegen eines eigentlich kontinuierlichen Stroms des sinnlichen Erlebens und betrifft immer nur ausgewählte Abschnitte der Wirklichkeit, niemals ihre grenzenlose Vielfalt. Die Logik erfordert Zusammenfassung des Mannigfaltigen in Einheit. Die abgegrenzte Form macht das Wesen des Individuums - sehen wir von der Form ab, wird Vielheit. Die wissenschaftlichen Methoden beziehen sich deshalb auf eine abgrenzbare, d.h. einheitliche Gegenständlichkeit. "In der Wissenschaft ist der Inhalt wesentlich an die Form gebunden."(2) Wir wissen nur, was sich unseren Denkformen fügt. Es gibt keine Logik ohne Abstraktionen. Allgemeingültiges Denken braucht Systematik und Einheit. Rationales Wissen ist abstrakt und dient nicht dem Verstehen, sondern dem Zerschneiden. Abstraktion heisst Allgemeingültigkeit und diese basiert auf der Zerstörung des Besonderen. Alles Uneinheitliche und Unvergleichliche ist dem Logiker notwendig irrational. Fortschritte im Erkennen werden nur in der Auffindung von Identischem gesehen. Das Entdecken von identisch wiederkehrenden Eigenschaften ist die häufigste methodische Geistestätigkeit. 

Logik, bzw. Sprache, ist eine Stabilisierung von Bewusstseinsvorgängen, indem Inneres an Symbolen festgemacht wird. Die Sprache verleiht seelischen Vorgängen und Prozessen, die vorher fliessend und undeutlich waren, Konturen. Alles nur dunkel Gegenwärtige soll in der Form der Gegenständlichkeit klar werden. Die Sprache objektiviert unsere Sinnesempfindungen, indem sie das "panta rhei"(3) des individüllen Erlebnisses in eine objektiv-logische 'Ordnung' transformiert. Sprachliche Fixierung reisst den sinnlichen Eindruck aus der Einheit des Erlebens und bringt ihn als Abstraktion unter die Allgemeinheit des Denkens. Im wissenschaftlichen Denksystem werden die Dinge nur 'begriffen', insofern sie aus dem kontinuierlichen Zusammenhang all unserer Empfindungen herausisoliert wurden. Doch gerade die Zusammenhänge in erlebter Zeit und konkretem Raum sind es, die einem Gegenstand seinen spezifischen Charakter geben. 'Wirklich' sind die Dinge nur im erlebten 'Hier und Jetzt', d.h. als Einzelne. Wirkliche Existenz gibt es nur 'einmalig' an einem einzigen Ort zu einer einzigen Zeit. Es gibt nur 'ein' einziges Ding, das zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt an einem ganz konkreten und nur diesen Ort sein kann. In der lebendigen Wirklichkeit gibt es keine Gleichheit. In keinem Lebensbereich gibt es 'reine' Typen. Es ist ein Irrtum zu glauben, in den Abstraktionen hätten wir eine Methode, mit der sich alles Geschehen auf der Welt auf einen Nenner bringen liesse. "Die Wirklichkeit in ihrer Besonderheit und Individualität ist die Grenze für jede naturwissenschaftliche Begriffsbildung."(4) Der theoretischen Verallgemeinerung steht immer die faktische Ungleichheit gegenüber. Was mit demselben Namen bezeichnet wird, ist niemals 'ansich' gleich, sondern wird einfach gleichgesetzt, weil einzelne Unterschiede für unsere Zwecke nicht von Bedeutung sind. Eigentlich hat es aber keinen Sinn zu fragen, wie etwas 'ansich' beschaffen ist, abgesehen vom Zusammenhang mit allen anderen Elementen. 

Irrtum und Wahrheit des logischen Denkens setzen ein Erleben voraus für das 'daürnde' Dinge wesentlich sind. Ein seiendes Ding gibt es aber nur in der menschlichen Optik. Der Eindruck der Stabilität beruth auf der Grobheit unserer Sinne. Wir sind daher einem Trug erlegen, wenn wir die logische Beharrlichkeit für einen unmittelbaren Ausdruck der Wirklichkeit halten. Unser Denken ist nicht mit der Wirklichkeit identisch. Abstraktion von fliessendem Geschehen ist, mit anderen Worten, 'Verallgemeinerung', 'Generalisierung'. Generell heisst zeit-räumlich unbeschränkt, bedeutet allgemeingültig, ansich, d.h. an jedem Ort, zu jeder Zeit. "Der Begriff allein ist es, wodurch die Dinge in der Welt Bestand haben."(5) Nur zeitlos-ideale und allgemeine Wesenszusammenhänge sind Gegenstand der reinen Logik, nicht aber individülle Vorgänge. Die Logik hat es immer mit dem verallgemeinerten Gehalt sprachlicher Ausdrücke zu tun. Die Einfachheit der Verdinglichung ist der blosse 'Kunstgriff' eine ganze Reihe von Merkmalen zu vernachlässigen und nur die 'wichtigsten' Eigenschaften herauszugreifen, um mögliche Komplikationen, welche durch die Vielfalt des Wirklichen entstehen, zu vermeiden. Die Logik rechnet immer mit den Klassenbezeichnungen der Dinge. Abstraktionen sind idealtypische Vereinfachungen. 

überall ist die Sinnlichkeit gewissermassen im Kampf mit der Logik. Die Sprache der Logik ist eine Sprache des Gesetzes gegenüber einer 'chaotischen' Unmenge von Einzelheiten. Mit den Kategorien unternehmen wir den Versuch, die Erlebnisse in Begriffe zu pressen. Die Einheitlichkeit des konkreten Erlebens wird auf die Systematik des abstrakten Denkens reduziert. "Der Logiker verwandelt schöne, gewundene und reissende Flüsse in schiffbare Kanäle."(6) Das Unvergleichbare aber entzieht sich weiter einer exakten Kontrolle und bleibt für die mechanische und technische Verwertung weitgehend unbrauchbar. Wo zuviele Einzelheiten Unklarheit schaffen, stehen Verallgemeinerungen für die Einfachheit. "Alle Dinge bedürfen eines Namens, dass sie nicht schlüpfrig dem Zugriff entgleiten. Denn der Name erst macht das Ding."(7) Was wir aber zu einem Substantiv abstrahieren, ist immer ein mehr oder weniger komplexer Tatbestand. Stein, Baum, Buch - alles ganze Gruppen von Ideen. Aus praktischen Gründen nehmen wir aber an, dass ein jeder schon irgendwie weiss, was ein 'Stuhl' oder ein 'Spiegel' ist. Es wäre auch zu umständlich, wenn wir im täglichen Umgang alle unsere Begriffe immer erst gegenseitig definieren müssten. Das Wort, das wir bei einer Bezeichnung gebrauchen, trifft für Dinge der gleichen Art, Klasse, Gattung zu. Der Begriff 'Vogel' entspricht aber einem Vogel 'ansich' und deckt sich nicht mit einem wirklich lebenden Vogel. Logik setzt eine Gleichheit voraus, die es im Grunde gar nicht gibt. 

Alle logischen Probleme sind Probleme der Objektivität, d.h. der Gegenständlichkeit. Nur über die Vergegenständlichung ist es uns erst möglich, verschiedene Vorgänge mit dem selben Namen zu bezeichnen. Namensgleichheit ist aber nicht Identität. Die Nichtberücksichtigung des Unterschieds zwischen Gleichheit und ähnlichkeit ist deshalb der Grundfehler des logischen Denkens. Viele Unklarheiten und Verständigungsprobleme können auf die unkritische übernahme von Begriffen zurückgeführt werden. Das unkritische Denken in Begriffen ist eine blosse Gleichsetzung, bei der nichts herauskommen kann, was wir nicht hineingelegt haben. Logisch wird nichts Neüs erschlossen. Die Logik ist für die höhere Erkenntnis deshalb eine unfruchtbare Disziplin, weil sie eine Gleichheit voraussetzt, die es nicht gibt. Logik beruth auf der Voraussetzung, dass es identische Fälle gibt und diese Identität wird zeitunabhängig postuliert. Der Satz der Identität schreibt der 'Setzung' konstante Geltung zu. Logik ist nur infolge dieses Grundirrtums möglich. Der Fehler des Generalisierens besteht dabei in der Annahme dass, wenn zwei Dinge in vielen oder einigen Beziehungen übereinstimmen, sie wohl auch noch in allen anderen Beziehungen übereinstimmen werden. 

Damit Wissen übertragbar ist, muss der Gegenstand gewisse Gleichförmigkeiten und Gesetzmässigkeiten aufweisen. Die fliessende übergänge in unserem Gefühlsleben sind aber logisch nicht greifbar. Es gibt keine logische Möglichkeit exakt festzustellen, wo genau der Punkt liegt, an dem der eine Zustand unseres Seelenlebens zu einem anderen wird. Das kontinuierliche Erleben ist logisch genausowenig fassbar, wie die Gegenwart. übergang und Gegenwart sind irrationale Grenzlinien, die logisch nicht greifbar sind. In dem Augenblick, in dem der Verstand sie zu erfassen sucht, existieren sie schon nicht mehr. Das Kontinuierliche ist irrational, überbegreiflich. Das logische Denken erfasst das 'Werden' immer nur fragmentarisch. Im unaufhörlichen Fluss der Erscheinungen gibt es keine beharrenden Substanzen - weder Dinge, noch Personen, noch Ideen. "Wie die körperliche, so ist auch die seelische Welt nur eine abstrakte Begriffsbildung der Erkenntnis; sie sind beide etwas gedanklich Geschaffenes, begrifflich herausgelöst aus einem einheitlichen Tatbestand unseres Erlebens, 'Reflexionspunkte', aber nicht Arten von Realität."(8) 

Objektivieren heisst nichts anderes, als mittels Abstraktion aus einer individüllen Qualität eine allgemeine Quantität, ein Objekt zu machen. Dieses Objekti ist aber nichts Wirkliches, sondern nur etwas Gedachtes. Es ist deshalb ein verhängnisvoller Fehler, das Denken als ein Mittel anzusehen, 'objektive' Erkenntnis zu gewinnen. Es gibt kein Wissen, das immer und überall unbedingte Geltung haben müsste. Allgemeine Geltung geht immer auf einen menschlichen Wunsch oder ein Ideal zurück. Der Zweck, der hinter der logischen Verallgemeinerung steckt, heisst 'Gesetzmässigkeit' und mit dieser Gesetzmässigkeit wird Ordnung gerechtfertigt. Allgemeingültigkeit wird aber nicht durch bloss logische Verallgemeinerung erreicht. Was 'Gesetzmässigkeit' genannt wird, geht auf menschliche Vorstellungen von quantitativen Einheiten zurück und diese Einheiten sind immer mehr oder weniger willkürlich geschaffen. Das gilt für die Zahl genauso, wie für das Wort. Jede theoretische Definition hat einen praktischen Zweck. In der Natur gibt es keine genau gleichen Wesen, keine übereinstimmenden Tatsachen, keine Regeln, die sich unterschiedslos auf mehrere Dinge zur selben Zeit anwenden liessen. Die Mystik der Natur liegt darin, dass kein Begriff und kein Gesetz jemals allgemeingültig sein kann. In der Natur ist alles einzig und unvergleichbar. Die wirkliche Natur passt sich nicht dem binären Denken, als der üblichen Verhaltensweise unseres Intellekts an. Die Singularität des Wirklichen ist im Prinzip unerschöpflich. Alle Gleichungen sind ohne Ausnahme Mythen. "Es gibt nur einzelne Sterne, keinen Stern überhaupt, es gibt nur einzelne Hunde, keinen Hund überhaupt. Es gibt nur einzelne Menschen, keinen Menschen überhaupt.... Also Stern, Hund und Mensch sind Vorstellungen, denen keine Wirklichkeit entspricht."(9)"Pferde sehe ich wohl, aber keine Pferdheit."(10) 

Jede Logik steht und fällt mit der Klassifikation ihrer Elemente. Gleichsetzung und Logik sind im Grunde auswechselbare Begriffe. Aus unklassifizierten Tatsachen lassen sich keine Schlüsse ziehen. Was mit nichts anderem vergleichbar ist, kann eigentlich überhaupt nicht beschrieben werden. Logische Klassifikation bedeutet deshalb immer, von den speziellen Gegebenheiten in Raum und Zeit abzusehen. Die Geometrie zum Beispiel beschäftigt sich mit exakten Kreisen; kein sinnlich wahrnehmbares Objekt ist jedoch vollkommen kreisförmig; auch wenn wir unseren Zirkel noch so sorgfältig benützen, es werden sich doch stets einige Unvollkommenheiten und Unregelmässigkeiten ergeben. Alle 'Typen' sind stets gedankliche Konstruktionen und als solche niemals voll in der Wirklichkeit vorfindbar. "Es ist, als sollten in einem beständig strömenden Fluss Linien gezogen werden, Figuren gezeichnet, die standhielten. Zwischen dieser Wirklichkeit und dem Verstand scheint kein Verhältnis des Auffassens möglich, denn der Begriff trennt, was im Fluss des Lebens verbunden ist, er repräsentiert etwas, das unabhängig von dem Kopf, der es ausspricht, gilt, also allgemein und immer. Der Fluss des Lebens aber ist überall nur einmal, jede Welle in ihm entsteht und vergeht."(11) 

Die ideale Gleichheit, die der Begriff leisten soll, wird von uns selbst geschaffen und ist keineswegs ansich vorhanden. Allgemeinheit ist kein Verhältnis des Seins, sondern des Denkens. "Das 'Allgemeine' ist nichts als der Name."(12) Abstrakte Begriffe bezeichnen immer mehr oder weniger eine Gesamtheit und keine Einzelheit. Abstraktionen beschreiben Klassen und Gattungen. Die Gattung ist nicht, wie das Individuum auf konkreten Ort und Zeit eingeschränkt, sondern als Allgemeinheit ist sie 'überall' und 'immer'. Der allgemeinste aller Namen ist das 'Ding' oder die 'Substanz'. Kategorien sind allgemeine Formen. Wo das Einzelne sich nicht der logischen Allgemeinheit fügt, wird es durch Abstraktion eben fügsam gemacht. "... das Einzelne wird den Zwecken des Auffassens der Wirklichkeit unterworfen; die Veränderlichkeit des intuitiv Gegebenen wird in einer Beziehung von Begriffen zu allgemeingültiger Repräsentation erhoben; das Konkrete wird durch Abstraktion und analytisches Verfahren in gleichartige Reihen gebracht, welche Aussagen von Regelmässigkeit gestatten."(13) 

Abstraktionen drücken die äquivalenzen aus. Jede objektive Definition setzt die eingebildete Kongrünz von Wort und Sache voraus. Die logische Gleichsetzung ist von fundamentaler Bedeutung für jede Art der Berechenbarkeit. Die Deutung der Bestandteile der Welt geschieht deshalb immer nach irgendwelchen harmonisierenden Analogien. Die Gleichheitsidee erscheint als Gleichheitszeichen '=', als Kopula 'ist' und als Ausdruck der Existenz 'sein/ist'. Jeder Begriff und jede Theorie hat aber nur analoge Bedeutung. "Der Satz 'A' ist 'A' ist zwar die Grundlage allen Erkennens, aber selbst keine Erkenntnis, sondern eine Tat des Geistes, ein Akt ursprünglicher Synthesis, durch welchen als notwendiger Anfang allen Denkens eine Gleichheit oder ein Beharren gesetzt werden, die sich in der Natur nur vergleichsweise und annähernd, niemals aber absolut und vollkommen vorfinden. Der Satz 'A' ist 'A' zeigt also gleich auf der Schwelle der Logik die Relativität und Idealität alles unseres Erkennens an."(14) 

Der zwingende Schluss ist ein Irrtum und Allgemeingültigkeit immer ein Fehlschluss. Logischer Zwang ist von axiomatischen Voraussetzungen abhängig. Es gibt aber kein Axiom, das unbedingt anerkannt werden muss. Wir können allenfalls durch äussere Gewalt zu einem bestimmten Verhalten genötigt werden, um z.B. einer Lebensgefahr zu entgehen. Es gibt aber auch hier immer nur den Zwang, der Gewalt zu gehorchen, nicht den, einen 'objektiven' Sachverhalt einzusehen. Alles Wissen ist quantitativ. Nur das Berechenbare wird erkannt. Wissen und Berechenbarkeit können deshalb im Grund gleichgesetzt werden. "Durch die Gleichsetzung von Realität mit Quantität ist der menschliche Geist Erkenntnis geworden."(15) Logik ist deshalb im Grunde ein Zählen und ein Rechnen. Nur Quantitäten und kontextunabhängige Grössen können einem mathematischen Modell unterworfen werden. Logik ist Rechnung und alles Rechnen lässt sich auf Addition und Subtraktion zurückführen. Unser rationaler Verstand gleicht im Prinzip einer arithmetischen Maschine, die sortiert und vergleicht. Wo nichts zu addieren oder subtrahieren ist, hört das Denken auf. In der Logik wird mehr oder weniger alles mit allem gleichgesetzt und aufaddiert. "In vollkommener Reinheit hört die wissenschaftliche Sprache auf, eine Sache der Wörter zu sein, und verwandelt sich in Mathematik."(16) 

Die klassische Erkenntnis reduziert sich auf mathematisch Quantifizierbares. Die Kluft zwischen menschlichem Mass und natürlicher Gegebenheit wird aber nie überwunden. Alle Messung beruth auf einer Feststellung von Punktkoinzidenzien. Punktkoinzidenzien im strengen Sinn gibt es aber nicht. Zwei physische 'Punkte' - etwa ein Punkt des Messbandes und ein Punkt des gemessenen Körpers - können einander nur genähert werden, sie können aber nicht koinzidieren, d.h. in 'einem' Punkt zusammenfallen.(17) "Machen wir uns vor allen Dingen klar, dass das Wort 'gleich' nicht 'eine' Bedeutung hat, sondern viele! Wenn ich etwa weiss, wann zwei Raumstrecken gleich sind, so geht daraus noch gar nicht hervor, wann zwei Zeitstrecken gleich sind. Tatsächlich muss ich für diesen Fall eine neü Bestimmung treffen; das Wort 'gleich' wird in beiden Fällen nach verschiedenen Regeln verwendet und hat daher eine verschiedene Bedeutung. Bedenkt man ferner, wann man von gleichen Massen, von gleichen Temperaturen, von gleichen Helligkeiten spricht, so erkennt man, dass der Sinn dieses Wortes, weit entfernt davon, derselbe zu sein, in jedem dieser Fälle von Neüm erklärt werden muss."(18) Wir legen ganz willkürliche Einheiten unseren Massbestimmungen und Einteilungen zugrunde. Das Meter könnte auch nur 89 cm lang sein, genauso wie man für 'Brett' auch 'Bart' sagen könnte. Der Logiker aber tut so, als wären die Benennungen objektiv. "Was ist also eine Grösse? Etwas, das sich messen lässt? Das gäbe einen Zirkel, weil der Begriff des Messens den der Zahl voraussetzt."(19) 

Die Methode des Theoretikers bringt es mit sich, dass er als Fundament allgemeine Voraussetzungen, sogenannte Prinzipien braucht, aus denen er Folgerungen deduzieren kann. Ein kompliziertes Gebilde wird nach der Analogie eines einfacheren behandelt. Zu verallgemeinern ist darum die Arbeit des Verstandes. Abstrahiert von einem besonderen Inhalt entsteht die allgemeine Form. Formen können gedacht werden. "Die Abstraktion ist (dabei) die Methode der 'Aufsuchung der Prinzipien'."(20) Wo Rationalität ist, das ist Gesetz. Die Verallgemeinerung ist die Grundlage aller Gesetze. Einmalig und einzigartig aber ist Wirkliches immer der rationalen Gesetzlichkeit widersprechend. Die dogmatische Verabsolutierung von Logik und objektiver Wissenschaft ist lediglich "anthropomorpher Fetischismus"(21). 'Sprache', 'Logik', 'Rationalität', 'Abstraktion', 'Objektivität' oder etwa 'Allgemeinheit' und auch 'Realität' sind nichts Wirkliches, sondern 'Formen' der Wirklichkeit. 

Alles Denken konstituiert Allgemeinheit Kategorien sind aber nur beqüme Hilfsmittel, um die Empfindungsmassen rational ordnend zu bewältigen. Nur abstrahierte Quantität ist logisch und gilt deshalb als 'objektiv', aber das nur, weil wir uns künstliche Masseinheiten erfunden haben. Objektiviertes Zahlenwissen soll frei sein von den Unwägbarkeiten des Individüllen. Qualitäten dagegen sind immer subjektiv und relativ auf unser Bewusstsein bezogen. Der Verstand denkt nur allgemeine Gegenstände als solche und nicht ihr Realsein. Begriffe und Realitäten sind unvergleichbar verschieden und können logisch zwingend nicht ineinander übergeführt werden. 'Ansich' und 'Erscheinung' sind inkommensurabel und können nicht verglichen werden. Die beiden Seiten einer Gleichung müssen kommensurabel sein, wenn wir daraus etwas ableiten wollen. Inkommensurabilität heisst Unmessbarkeit, Unvergleichbarkeit. Der Durchmesser eines Kreises kann nicht mit seiner Peripherie verglichen werden. "Die 'reale' Welt hingegen ist ein vieldimensionales, nichtsukzessives, simultanes Muster von unendlicher Vielgestaltigkeit. Der Versuch, dieses Muster mit dem Verstand zu begreifen, ähnelt dem Versuch, ein Gemälde von Renoir durch ein Mikroskop zu erfassen."(22) 

'Begriff' und 'Wirklichkeit' sind etwas 'grundsätzlich' Verschiedenes. Durch Denken allein erfahren wir nichts über die Wirklichkeit. Begriffe definieren sich immer wieder durch andere Begriffe. Die Regeln der Logik sind lediglich Umformungen von Formeln. In der objektiven Definition der Wirklichkeit durch Begriffe produzieren wir immer nur Tautologien. Wer nach wirklicher Erkenntnis strebt, muss sich deshalb der Grenzen des rationalen Denkens und seiner Unfähigkeit, dem konkreten Dasein gerecht zu werden, immer bewusst sein. Aus der logischen Maschine kommt schwerlich mehr heraus, als hineingesteckt wurde. In der Logik kommt es nicht auf das Urteilen, sondern auf Rechnerei an. Die Massstäbe, die wir an die Welt legen, sind Massstäbe von Menschen. Was immer wir messen, ist ganz spezifisch auf die menschliche Physiologie bezogen und nie allgemein, d.h. für alle Lebewesen gleich gültig. "Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit."(23) Die Fallkurve eines aus dem Fenster geworfenen Blattes ist kaum im Voraus zu konstruieren. Eine grundsätzliche logische Notwendigkeit ist deshalb eine Täuschung. 

Als sprechende Wesen teilen wir die Welt in Ordnungen und Eigenschaften ein. Die Fähigkeit zu klassifizieren, zu übermitteln und aufzuschreiben, hat auch ungeheure Erfolge für 'Kultur' und Zivilisation zu verzeichnen; aber wir vergessen nur allzuleicht, dass die Natur ein nahtloses Gewebe ist und die Klassifizierungen nur in unseren Köpfen existieren. Leistung und Gefahr der Begriffe und Zahlen liegt darin, dass sie zwar Prozesse praktisch greifbar machen, aber gleichzeitig zu einer Beurteilung verführen, die wir leicht mit der Wirklichkeit verwechseln. Wir verkennen, dass die Welt der Abstraktionen künstlich aufbereitet ist und nicht das Original. In den klassischen Wissenschaften gibt es keine Anschauung, nur Konstruktion. Alles Begreifen ist Subsumtion unter Analogien. Die Analogie ist aber ein Bild und das Bild gehört in die Welt des Augenscheins. Es liegt in der Natur des Symbols vielseitig und vieldeutig zu sein. Ein hoher Verallgemeinerungsgrad der Denkkategorien bedeutet immer auch grosse Unbestimmtheit. "Die Abstraktion der Kategorien enthält überall noch den Rest des Bildhaften. ... Wie aber sind Bilder zu prüfen?"(24) Mit allen Analogien wird nur ein Scheinbegreifen erzeugt. Der Analogieschluss ist deshalb auch für den Magier und Zauberer ein beliebtes Denkmittel, um zu täuschen. 

Wir wissen im Grunde nichts, sondern nehmen nur an. Zwei ähnliche Dinge sind sich immer nur in gewisser Hinsicht ähnlich. Jedes Gleichnis hinkt. "ähnlich ist am Ende alles, nur auf den Grad der ähnlichkeit kommt es an."(25) Das Verhältnis von Sein und Denken wird durch das Zauberwort 'ist' nicht deutlicher. "Denken ist am Ende nichts, als die Verbindung von Namen durch das Wörtchen 'ist', so dass wir überhaupt nichts über das Wesen der Dinge, sondern immer nur etwas über ihre Benennungen erschliessen."(26) überall, wo die Kopula 'ist' gebraucht wird, müsste es eigentlich heissen 'ist ungefähr' oder 'ist so ähnlich wie'. Es kann keine zwei oder mehrere Substanzen von gleicher Beschaffenheit oder von gleichem Attribut geben. Auch die Bedeutung des Wortes 'Summe' darf eindeutig lediglich für einen einzigen Bereich, nämlich den der Zahlen, gelten, wenn sie noch sinnvoll sein soll. Zusammengezählt werden immer nur Zahlen und keine Dinge. Wird die Summe in anderen Fällen verwendet, so bedarf es jedesmal einer neün Definition, und die ist allein durch praktische Rücksichten bestimmt, die sich nach vorliegenden Bedürfnissen richtet. 

Wissenschaftliches oder logisches Erkennen nimmt immer und notwendig eine sprachliche, bzw. zahlenmässige Gestalt an. Alle Objektivierung ist in Wahrheit Vermittlung und muss Vermittlung bleiben und deshalb "kann niemand auch nur damit 'beginnen', dass er das Unmittelbare unmittelbar 'schaut'. Er muss sogleich über das Unmittelbare logisch 'denken', und sobald er das tut, nimmt er es nicht mehr 'als' Unmittelbares, sondern als irgendwie begrifflich Geformtes in sein Denken auf. Jede solche Formung zerstört die Unmittelbarkeit des Unmittelbaren. Jede Erkenntnis, die wahr sein will, bedarf irgendeiner Vermittlung. Unmittelbare Erkenntnis des Unmittelbaren gibt es nicht. Unser Denken kann sich gewiss auf die Anschauung des unmittelbar Gegebenen stützen, ja es muss das vielleicht mehr oder weniger überall. Aber sobald wir 'Gedanken' davon bilden, gehen wir über das Unmittelbare hinaus."(27) über die Wahrheit von Begriffen kann überhaupt nichts ausgesagt werden, allenfalls über ihre praktische Gültigkeit. Durch die Postulation von Gleichheit und Identität wird lediglich ein seriöser wissenschaftlicher Status aufrechterhalten. 

Die ganze Wissenschaftslehre beginnt quasi mit der abstrakten Formel 'A' = 'A' oder besser 'Ich' ist 'Ich'. Ohne diese Grundvoraussetzung ist jede weitere rationale überlegung sinnlos. Ohne Identität gibt es keine Logik und ohne Logik gibt es keine Identität. Wissen verlangt Identität und Unveränderlichkeit. Das Identitätsprinzip ist das Rationalitätsprinzip schlechthin. Nur das Gleiche ist rational. Armut an ähnlichkeit bedeutet bedeutet Armut an logischen Beziehungen. Viel Logik - viel Gleichheit; viel Gleichheit - viel Logik. Die Gleichheit in der Logik ist aber nur ein utopisches Ideal. Tatsächlich gibt es keine identischen Tatsachen. Kein einziges Ding, auch nicht das einfachste und geringste, können wir durch und durch verstehen und begreifen, sondern an jedem bleibt etwas völlig Unerklärliches übrig. Es ist ein Irrglaube, dass alles in der Welt unter logische und sprachliche Gesetze subsumierbar ist. Jede Gleichsetzung ist willkürlich und wird von persönlichen und subjektiven Interessen bestimmt. "Es gibt keine fundamentale Gleichung."(28) Die Welt ist ohne Logik und alogisch müsste auch werden, wer sie versteht. 

Begriffe und Urteile sind die Grundbausteine des praktischen Denkens. Die Art der Bildung der Begriffe jedoch ist hauptsächlich und überwiegend eine Zweckmässigkeitsfrage. Abstraktionen haben 'praktischen' Wert für das tägliche Leben. Darüber besteht kein Zweifel. Der Vorteil der Begriffe besteht in ihrer methodischen und systematischen Anwendung. Praktisch müssen wir immer urteilen. Ohne die Anwendung von Kategorien ist kein Urteil möglich. Die Bewertung nach einem Typus bedeutet eine Erleichterung für den Urteilenden. Die nützlichsten Begriffe sind deshalb die mit dem grössten Grad der Generalisierung. Wo wir aber Dinge-ansich denken, zählen wir bloss inhaltsleere Begriffe zusammen. Kein Begriff und kein Urteil hat 'allgemeine' Gültigkeit. Sie sind lediglich für subjektive Zwecke von praktischer Nützlichkeit. Objektive Gründe sind nur untergeschoben. Die Problematik des Denkens liegt immer in der 'Entscheidung', welchen Begriff wir anwenden sollen. Wir müssen beurteilen, d.h. entscheiden, welcher Begriff in einer konkreten Situation am besten passt. 

Das Urteilen besteht im Vergleichen zweier Begriffe. Jeder Begriff enthält jedoch seinerseits wieder schon viele Urteile. Wir brauchen als Voraussetzung unseres Denkens immer die Definition unserer Grundbegriffe als theoretische Grundlage. Aber auch in den Grundbegriffen sind schon Urteile und Schlüsse enthalten, so dass wir bei aller Logik letzten Endes immer auf uns selbst verwiesen sind. Aus der Logik lassen sich nur Urteile begründen, die unsere Begriffe betreffen, aber nicht die Wirklichkeit. Die Logik sagt nur 'wie' wir denken sollen, nicht aber 'was' wir denken sollen. Wenn wir einen Begriff bloss benützen, ist die Denkarbeit auf dem jeweiligen Gebiet eigentlich schon zünde. Letztlich sind alle logischen Urteile bloss Tautologien. "Wer aus der Sprache heraus ein analytisches Urteil fällt, der leistet so wenig Denkarbeit, als es Bergmannsarbeit ist, ein ererbtes Goldstück aus einem Kasten zu holen."(29) 

Die Ordnung der Logik ist der Ordnung der Sprache unterworfen. Logik steht für die Macht, Wirklichkeit zu 'setzen'. Logisch werden aber niemals 'alle' Aspekte der Wirklichkeit erfasst. Stets fügt die Einbildungskraft bei der Schilderung der Wirklichkeit etwas hinzu oder lässt etwas weg. Keine Sprache der Welt ist fein genug, um alle Nuancen des Wirklichen begreifen. Die Struktur der Logik zwingt uns daürnd Dingbegriffe auf. Die Welt besteht aber nicht aus Dingen. Jede Bestimmung der Realität ist zugleich immer auch eine Einschränkung und Verminderung. "Determinatio est negatio."(30) Die Logik ist deshalb nicht nur die Logik der Setzung, sondern gleichzeitig auch das Prinzip der Gegensetzung, bzw. Gegensätzlichkeit. Inhaltliche Begriffsbestimmung bedeutet immer eine subjektive Abgrenzung gegen andere Möglichkeiten und schliesst damit indirekt auch eine Verneinung ein. Verbegrifflichen ist immer Grenzen setzen. Mit der Setzung ist auch der Ausschluss gegeben. "Jede Sprache setzt dem Geist ... gewisse Grenzen, schliesst, insofern sie eine gewisse Richtung gibt, andere aus." (31) Dass aus Unterschieden Gegensätze werden, haben wir weltfremder Abstrahierung zu verdanken. Es liegt schon im Sprachgebrauch, Zweiheit und Verschiedenheit hervorzubringen. In der ritüllen Logik wird dann der Entweder-Oder-Standpunkt festgeschrieben. Die Logik kennt keine dritte Möglichkeit: tertium non datur. Die Gegensätzlichkeit ist aber ein Produkt unseres Denkens und nicht in der Wirklichkeit vorhanden. Unser ganzes Denken ist so beschaffen, dass wir nur allzuleicht in Gegensätzen denken. Die Sprache schafft die Unterscheidungen und ist der Ursprungsort unserer Dualismen. Zürst reissen wir die Dinge aus dem wirklichen Zusammenhang und dann fügen wir sie gedanklich, also künstlich und in unserem subjektiven Interesse wieder zusammen. Warum aber diese oder jene Gegenstände gesetzt werden und nicht andere, ist weitgehend willkürlich. In der dualen Sprachstruktur ist der Konflikt deshalb schon mitenthalten. Warum diese oder jene Tatsachen problematisiert werden und nicht andere, ist vom Interesse des Denkers abhängig. "Wir sind es, die Relativität, Zahl, Gesetz, Freiheit, bzw. Grund und Zweck erfunden haben"(32) alles Hypothesen, mit denen wir die Welt vermenschlichen. 

Der Objektivismus, der sich aus einem übertriebenen logischen Optimismus, d.h. aus einem unkritischen Glauben an die Fähigkeiten der Logik ergibt, hat für die europäische Tradition seine Wurzeln in Griechenland. In der gesamten griechischen Philosophie galt offen bis latent das Axiom: Die Sprache spiegelt die Welt, die selber logosartig ist. So waren die aristotelischen Kategorien noch bis ins 18. Jahrhundert für die offizielle Wissenschaftswelt der beständige Rahmen des geistigen Lebens. Aristoteles war überzeugt, dass die Wahrnehmung, die sein Wirklichkeitskriterium darstellte, nur Qualitäten lieferte. Man glaubte, dass alle Phänomene (auch die geistigen) im Sinne der Quantität untersucht und bewertet werden können und sollen. Es wurde allgemein vorausgesetzt, dass der Ausdruck 'Ding' im Gegensatz zur 'Idee' etwas bezeichnet, das ausserhalb unseres Denkens existiert. Das war ein grosser Irrtum: Unsere ganze Erkenntnis bezieht sich auf eine 'kategorial' geformte Wirklichkeit. Die rationalistische Antwort auf das Problem der Gewissheit führte zu einer Wissenschaft der Mechanik auf der Grundlage quantitativer Eigenschaften. Es wurde geglaubt, hinter den Qualitäten läge ein Wirkliches, Wirkendes, eine Substanz. Erst Berkeley sagte: Wenn wir die Qualitäten wegnehmen, bleibt nichts übrig. 

Die Zurückführung der Qualitäten auf Quantitäten ist das Hauptanliegen der modernen Naturwissenschaften. Diese Methode wird auch Reduktionismus genannt. Die reduktionistische Weltbetrachtung ist stets darauf aus, sämtliche Qualitäten durch quantifizierte Vorgänge zu ersetzen. Mit jeder Quantifizierung des Seelischen ist eine Verräumlichung und Vergegenständlichung von fliessendem Erleben verbunden. Der Fluss der Dinge lässt sich nicht logisch fassen. In der quantitativen Betrachtung kommt nur das unter einem gemeinsamen Mass vereinheitlichte zum Ausdruck. 'Qualitas' ist die Wieheit, die Eigenheit. Der Zweck der Verwertungslogik dagegen heisst Maximierung. Das 'wieviel', aber nicht das 'wie' ist hier das Entscheidende. Das wissenschaftliche, d.h. rationale Gebaren, macht das Unbestimmte künstlich zu etwas Berechenbarem. Die Wirklichkeit, oder das was 'ist', ist jedoch kein Resultat des logischen Denkens. Die Ganzheitseigenschaften werden zerstört, wenn eine organische Ganzheit auseinandergenommen und physisch oder theoretisch in Einzelteile zerlegt wird. "Die Methode aber, welche zur Beherrschung der Natur leitet, verlangt nichts Geringeres, als eine beständige Zertrümmerung der synthetischen Formen, unter denen uns die Welt erscheint, zur Beseitigung alles Subjektiven."(33) 

Berechenbarkeit ist oberste Voraussetzung für jede Art von Machbarkeit. Nur Quantitäten und kontextunabhängige Grössen können einem mathematischen Modell unterworfen werden. Quantität ist dem technischen Praktiker deshalb viel wichtiger, als unverwechselbare Qualität. Die Quantität gehört in die Welt des analogen Rechnens. Quantitäten scheinen objektiv, weil sie die logische Folge von Masseinheiten sind, die als objektiv gesetzt werden. Quantitäten sind ein Produkt des Messens. 'Dass' wir messen hat aber keine grosse Bedeutung in Bezug auf die Frage 'ob' wir überhaupt messen sollen. Das blosse Rechnen sagt nichts über seine Zweckmässigkeit aus. Niemand darf glauben, dass er die Welt unvoreingenommen betrachtet. Es ist immer unser Zweckdenken, das uns den quantitativen Aspekt dem qualitativen vorziehen lässt. Qualitativ bedeutet in der Wissenschaft immer ungenau quantitativ. Deshalb müssen wir Fragen der Qualität strikt von Fragen der Quantität unterscheiden. Unersetzbarkeit ist die Konseqünz von Qualität. Diese Unersetzbarkeit bedeutet nichtreproduzierbare Einmaligkeit, die in der technischen Verwertung durch das abstrakte Denken keine Verwendung findet. Was wir nicht quantifizieren können ist nicht wirklich und wird als unwesentlich unterdrückt. Die rationale Betrachtung der Welt setzt immer schon ganz bestimmte Zwecke wie 'Ordnuhg', 'Nützlichkeit', 'Machbarkeit', 'Beherrschbarkeit' etc. voraus. Die Bevorzugung der Rationalität, Objektivität und Logik heisst Bevorzugung der quantitativen Berechnungen und ist im Prinzip der Vorzug der kaufmännischen Menge, welche Profit verspricht. Im technisch-industriellen Zeitalter herrscht die quantitative Sicht der Wirklichkeit vor. Diese Sicht verträgt sich am besten mit der ökonomisierung der Welt. Das Quantifizieren ist die rechnerische Art der Erkenntnis. In künstlerischen oder religiösen Fragen dagegen rücken qualitative Momente des konkret Einzelnen in den Vordergrund. 

Die gegenständliche Welt der abgegrenzten und geformten Dinge ist im Geist 'gesetzt' und nicht ansich und objektiv gegeben. Wirklichkeit ist immer qualitativ bestimmtes Einzeldasein. Die qualitative Differenz der Individün ist eine Grundtatsache allen organischen Lebens. Jede Qualität ist einzigartig und bleibt im Grunde ewig verborgen, okkult. Es kann keine zwei identischen Qualitäten geben. Es gibt keine 'Qualität ansich' in der Wirklichkeit. Alle sinnlichen Qualitäten bedürfen eines lebendigen Trägers. Qualitative Unterschiede sind inkommensurabel, quantitative aber nicht. Im bloss mechanischen Denken ist alles ohne Leben und ohne Seele. Die Dinge sind nun austauschbar, aber ohne schöpferische Kraft. Es hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Die Welt des Messens und der 'objektiven Materie' ist eine künstliche und scheinbare Welt. "Es bleibt also dabei: Das Qualitative ist von dem Quantitativen durch eine Kluft getrennt, über die auch die Psychophysik der Zukunft keine Brücke schlagen wird. Der Rationalismus des 17. Jahrhunderts mochte glauben, dass jedem 'einfachen' und bloss 'ausgedehnten' Körper eine ebenso einfache Sinnesempfindung 'parallel' zu setzen sei, und dass man daher die Wirklichkeit more geometrico behandeln könne. Wir sollten heute endlich gelernt haben, dass die rationalen 'Welten' erst Produkte der generalisierenden Abstraktion sind, und dass sie deshalb zwar gewiss nicht aufhören, theoretisch und praktisch wertvoll zu sein, aber niemals mit individüllen Wirklichkeiten zusammenfallen."(34) 

Alle Kategorien stehen im Dienst einer objektivierenden Erkenntnis. Begriffe sind aber nicht Ziel der Erkenntnis. Begriffe sind immer nur Idealbilder. Wir versuchen der Natur mittels verbaler Etiketten lediglich Einheit anzudichten.(35) Mit der Logik fotografieren wir die Welt. Das Bild ist aber nicht die Wirklichkeit. Die Bezeichnung der Zahlen durch Ziffern, der Laute durch Buchstaben - alles Konvention. Die intelligible Welt ist eine Welt der Dichtung.(36) Es gibt keine objektiven Qualitäten. Alles Qualitative bleibt ein seelisches, bzw. geistiges Phänomen. Für die moderne Wissenschaft mit ihrem Anspruch auf Totalwissen bedeutet die Einmaligkeit der individüllen Existenz immer ein Herumtappen im Feld des Besonderen. Da macht auch die moderne Chaostheorie keine Ausnahme. Dem naturwissenschaftlichen Vorbild zu folgen heisst immer die Bewusstseinsphänomene zu verdinglichen. Die objektive Tätigkeit heisst: vergegenständlichen. Ein objektiviertes Chaos ist nur eine neü Partitur im alten Lied. Objektiv = 'dinghaft'. Wissen ist Vergegenständlichung und damit Mechanisierung. "Das Denken ist Dingheit, oder Dingheit ist Denken."(37) Die Welt der isolierten Gegenstände wird in der klassischen Logik als etwas Fixes betrachtet. Womit wir es aber zu tun haben, sind übergreifende oder tieferliegende Zusammenhänge, Prozesse oder Beziehungen, bzw. ein unendlicher Regress von Beziehungen, niemals ein isoliertes Ding. Auch wenn in der Chaostheorie etwas undogmatischere Töne anklingen, bleibt man doch einer Messbarkeit und einem 'Wesen' der Dinge verhaftet. Auch wenn die Chaostheorie für die klassische Logik einen gewissen Fortschritt darstellt, so bleibt sie in Bezug auf die Wirklichkeit reduktionistisch. "Man versuche nur einmal, die Wirklichkeit 'genau' zu 'beschreiben', d.h. sie mit allen ihren Einzelheiten, 'so, wie sie ist', in Begriffe aufzunehmen, um dadurch ein Abbild von ihr zu bekommen, und man wird wohl bald die Sinnlosigkeit eines derartigen Unternehmens einsehen. Die empirische Wirklichkeit nämlich erweist sich als eine für uns unübersehbare Mannigfaltigkeit, die immer grösser zu werden scheint, je mehr wir uns in sie vertiefen und sie in ihre Einzelheiten aufzulösen beginnen, denn auch das 'kleinste' Stück enthält mehr, als irgend ein endlicher Mensch zu beschreiben vermag, ja was er davon in seine Begriffe und damit in seine Erkenntnis aufnehmen kann, ist geradezu verschwindend gering gegen das, was er beiseite lassen muss. Hätten wir also die Wirklichkeit mit Begriffen abzubilden, so stünden wir als Erkennende vor einer prinzipiell unlösbaren Aufgabe, und so wird es denn, wenn irgend etwas, das bisher geleistet ist, überhaupt den Anspruch machen darf, Erkenntnis zu sein, auch für den immanenten Wahrheitsbegriff wohl dabei bleiben müssen, dass Erkennen nicht Abbilden durch Beschreibung der 'Phänomene', sondern 'Umbilden', und zwar, wie wir hinzufügen können, im Vergleich zum Wirklichen selbst, immer 'Vereinfachen' ist."(38) 

Das logische Ideal ist ein System absolut allgemeingültiger Formeln, mit denen sich eine generelle Geltung behaupten und fordern lässt. Sich auf eine objektive Wirklichkeit zu berufen, zeugt aber bestenfalls von Unwissenheit, wenn nicht von Täuschungsabsicht. Der individülle Beitrag an der Gestaltung der Wirklichkeit wird im objektiven Denken unterschlagen. Nur so sind neutrale Wissenschaftler möglich, die sich scheinbar dem Diktat der Tatsachen unterwerfen, tatsächlich aber diese Wirklichkeit erst erfinden, indem sie unausgesprochene Zwecke, bzw. Werte voraussetzen, nach denen sie die Welt erschaffen. 

Laurent Verycken

Literatur:
( 1) Sören Kierkegaard: Entweder/Oder, Gütersloh 1985, Seite 74 (back)
( 2) G.W.F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, Frankfurt/Main 1986, Seite 13(back)
( 3) Heraklit: "alles fliesst"(back)
( 4) Heinrich Rickert: Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft, Stuttgart 1986, Seite 65(back)
( 5) G.W.F. Hegel: System der Philosophie, Leipzig 1923, Seite 425(back)
( 6) John Newman: Grammaire de l'assentiment, o.J., Seite 217(back)
( 7) Augustinus ohne Qülle(back)
( 8) Viktor Kraft: Weltbegriff und Erkenntnisbegriff, Leipzig 1912, Seite 126(back)
( 9) Hans Vaihinger: Die Philosophie des Als-Ob, Berlin 1911, Seite 401(back)
(10) Antisthenes in Hans Sveistrup: Stirners drei Egoismen, Freiburg/Br. 1983, Seite 31(back)
(11) Wilhelm Dilthey: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften, Frankfurt/Main 1981, Seite 349(back)
(12) F.A. Lange: Geschichte des Materialismus, 2 Bde. Frankfurt/Main 1974 II, Seite 68(back)
(13) Dilthey 1981, Seite 152f(back)
(14) F.A. Lange 1974 II, Seite 1010(back)
(15) Emile Meyerson: Wirklichkeit und Identität, Leipzig 1938, Seite 98(back)
(16) Aldous Huxley in Helmut Kreuzer (Hrsg): Die zwei Kulturen, München 1987, Seite 170(back)
(17) Vgl. Karl Popper: Logik der Forschung, Tübingen 1989, Seite 87(back)
(18) Friedrich Waismann: Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 54f(back)
(19) " " " , Seite 240(back)
(20) Apelt: Die Theorie der Induktion, Leipzig 1854, Seite 59(back)
(21) F. Austeda in Ernst Topitsch (Hrsg): Probleme der Wissenschaftstheorie, Wien 1960, Seite 79(back)
(22) Ken Wilber: Das Spektrum des Bewusstseins, Bern/Mchn/Wien 1987, Seite 103(back)
(23) Albert Einstein: Mein Weltbild, Ffm/Berlin/Wien 1921, Seite 3f(back)
(24) Karl Jaspers: Was ist Philosophie, München 1980, Seite 326(back)
(25) Fritz Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache, 3 Bde., Ffm/Berlin/ Wien 1982 II, Seite 44(back)
(26) " " " I, Seite 514(back)
(27) Heinrich Rickert: Grundprobleme der Philosophie, Tübingen 1934, Seite 128(back)
(28) Geoffrey Chew, ohne Qülle(back)
(29) Mauthner 1982 III, Seite 373(back)
(30) Spinoza: Bestimmung ist Verneinung.(back)
(31) Wilhelm von Humboldt: Schriften zur Sprache, Stuttgart 1973, Seite 13(back)
(32) Friedrich Nietzsche in Vaihinger 1911, Seite 782(back)
(33) F.A. Lange 1974 II, Seite 985(back)
(34) Rickert 1986, Seite 152(back)
(35) Vgl. A.B. Johnson in Anatol Rapoport: Bedeutungslehre, Darmstadt 1972, Seite 431(back)
(36) Vgl. Lange 1974 II, Seite 509(back)
(37) Hegel in Georg Lukàcs: Der junge Hegel, 2 Bde., Frankfurt/Main 1973 II, Seite 769(back)
(38) Rickert 1986, Seite 49f(back)