VITA SEXUALIS CONTEMPLATIVA 

SiVe 

Lob der Pornographie 

von Joachim Landkammer 

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                  Nachstehender Beitrag möchte sich als erste Folge einer eventuell in Zukunft fortzusetzenden Serie von Pamphleten mit dem imaginären Reihentitel "Fragmente radikaler Philosophie - Polemische Gelegenheitsarbeiten" verstanden wissen. Die nachstehende (hypo)-thesenhaften Vorstrukturierung des hier noch nicht einmal ansatzweise ausgeloteten Themas soll vor allem den Zweck einer Einladung zur kritischen Diskussion erfüllen.  


Wer sich zu einer (gar noch zu einer angeblich "philosophisch" inspirierten) Verteidigung der Pornographie anschickt, läuft Gefahr, zu Recht der Gedankenverschwendung entweder an ein unwürdiges oder aber an ein schon sehr breitgetretenes Thema beschuldigt zu werden. Auf der einen Seite riskiert man nämlich den lächerlichen Versuch, das zugegebenermaßen meist zutiefst Dumm-primitive, oft widerwärtig "Tierisch"-Langweilige durch eine artifizielle Vergeistigung zum philosophischen Problem hochzustilisieren, oder aber, andererseits, man begibt sich in die gleichfalls irgendwie unangenehme Gesellschaft derjenigen, die als "toleranz"-beflissene Amoralapostel die Pornographie gegen ihre "moral"-beflissenen spießbügerlichen Kritiker und Zensoren in Schutz zu nehmen sich berufen fühlen. Demgegenüber soll von vornherein klargestellt werden, worum es hier nicht gehen soll: darum, pornographische Produkte dadurch aufzuwerten, daß man die sogenannte "gute" gegen die sogenannte "schlechte" Pornographie ausspielt; weder die "weiche” und "zärtliche", die dann natürlich "von Frauen für Frauen gemachte", gegen die chauvinistische und frauenverdummende und -verachtende (2) noch die stromlinienförmige Hochglanz-Luxus-Erotik (á la "Playboy” oder "Penthouse”) gegen die unprätentiös eindeutige Massen-Billigschundproduktion. Wenn hier "die" Pornographie in einem gewissen, noch zu klärenden Sinn gerechtfertigt werden soll, dann ist ausschließlich der "echte" Hardcore gemeint, der klar über jeder derzeitigen Fernsehzensurschranke liegende "real stuff", die explizite und un-verschämte Zurschaustellung von nackten Menschen beim nicht nur fingierten, sondern deutlich erkennbar realiter vollzogenen Geschlechtsakt.  

Dahinter steht nicht (oder doch nur zum Teil) der masochistische Hang des Verfassers, sich die rhetorische Aufgabe dieser Apologie durch die weitmöglichste Radikalisierung und Extremisierung seiner These so schwer wie nur möglich zu machen, sondern die Überzeugung, daß zumindest auf diesem Gebiet Halbheiten und durch Restmoralismen eingeschränkte pornographische Halbherzigkeiten moralisch gefährlicher und auch "philosophisch" unbefriedigender sind als die "ganze" nackte "Wahrheit". Der aus mehreren Gründen unerträgliche Softporno-Stil, der zur Hebung der Privatsender-Einschaltquoten an jedem Wochenende dem verklemmten Spieß- und Kleinbürgerpublikum vorgesetzt wird, gehorcht mit seiner scheinheiligen Beschränkung auf die lüstern-augenzwinkernde Andeutung von dann nicht eingelösten visuellen Versprechen einer zu hohen Anzahl von porno-fremden (pseudo-"künstlerischen", pseudo-"moralischen", medientechnischen sowie trivialästhetischen) Kriterien, als daß er hier als Vertreter der Gattung "Pornographie" ernsthaft in Betracht gezogen werden müßte. Wenn Pornographie "Sinn" haben und machen soll, muß sie radikal und konsequent sein, muß alle sogenannten "Tabus" verletzen, weil sie eben im Grunde nur ein einziges Tabu, aber das ganz und eindeutig überschreiten muß: nämlich dasjenige des sogenannten Voyeurismus, das passive Zuschauen bei und Genießen von authentischer sexueller Aktivität anderer. Lediglich diese Minimalanforderung muß erfüllt sein, um von Pornographie im hier gemeinten Sinn sprechen zu können; d.h., daß alle weiteren Tabus, "Schamlosigkeiten" und Perversionen (Zulässigkeitsgrenzen des Geschmacks, die künstlich errichtet werden, um dann scheinbar die Gelegenheit zu ebenso artifiziellen Tabuverletzungen bieten zu können), mehr oder (meist) weniger erfinderische Variationen zum Thema darstellen, die eine nicht vorhandene Bandbreite und Auswahlmöglichkeit des pornographischen Produkts vortäuschen soll.  

Inwiefern soll nun der medienunterstützte Voyeurismus intellektuell zu legitimieren sein? Was hier behauptet und begründet werden soll, ist nicht weniger als die These, daß diese landläufig nur als minderwertig betrachtete "Spielart" der Sexualität nicht nur als legitime Erregungsmethode, sondern eigentlich als hochkultivierte Substitution für die eigene aktive Sexualität angesehen und rehabilitiert werden muß.  

Eine unbefangene Beantwortung der zunächst anliegenden Frage: Was ist überhaupt Voyeurismus? wird erschwert dadurch, daß dieses Phänomen keine gute Presse hat; es wird vom unterschwelligen, diffusen Chauvinismus unserer Zeit, von den immer und überall tonangebenden Angebern und vermeintlichen Frauenhelden als schwächlich und feige, als gemeine und verschämte Ersatzhandlung, vorgenommen von frustrierten und schüchternen sexuellen Versagern, denunziert; auch und gerade nach der "sexuellen Revolution" bleibt der Pornographie-konsumierende Onanist im kollektiven Bewußtsein der Prototyp des gescheiterten Individuums, des retardierten Drop-outs in einer Leistungsgesellschaft, in der das jugendliche "Aufreißen" und "Abschleppen" von willigen Mädchen nicht weniger zur bezugsgruppenorientierten Imagepflege gehört wie die Fähigkeit des erwachsenen Manns, eine "gute" (sprich: attraktive, sympathische, gebildete, standesgemäße usw.) Ehefrau zu "erobern"(3). Hieraus erhellt, gegen welch geballte gesamtgesellschaftliche Vorverurteilung eine These anzutreten hätte, die versucht, den sich aufs "Zuschauen" beschränkenden sexuellen Genuß als eine bewußt gewollte und bessere Alternative zur aktiv ausagierten Sexualität aufzufassen. 

Auf dem Weg zur Plausibilisierung dieser These soll zunächst klargestellt werden, daß das passive Nur-Zuschauen-Wollen, das sich nicht Einmischen, sich nicht selbst ins Zentrum des "Geschehens" Setzen, keine Verlegenheitslösung, sondern eine bewußt gewollte und so intendierte Art der Triebbewältigung sein kann. (4) Die selbstentfremdende und -distanzierende Übertragung von eigenen Handlungsbedürfnissen auf andere, darauf spezialisierte "Agenten” ist - universalhistorisch gesehen - generell ein Kennzeichen des kulturellen Fortschritts. Die Zeiten, in denen man selbst seine tägliche Überlebens-Nahrungsration erjagen, selbst für seine persönliche Verteidigung kämpfen, selbst sein Haus bauen, (immer nur) selbst kochen mußte, gehören Gott sei Dank der barbarischen Vergangenheit der Menschheit an. Die handwerkliche Spezialisierung, die Trennung in funktional differenzierte Sozialschichten, Institutionen wie die Polizei und das staatliche Gewaltmonopol, moderne Errungenschaften wie Fertiggerichte, Party- und Pizza-Services haben mit dieser kultur- und mußefeindlichen Praxis Schluß gemacht. Und genauso wie der Stierkampf, das Rockkonzert und das Fußballstadion Stätten sind, wo der Zuschauer seine eigenen Aggressionen und Triebpotentiale durch deren Projektion auf (eigens dafür bestallte und bezahlte) "Strohmänner” auslebt, genauso ist es ein Zeichen menschlichen Fortschritts, wenn auch der Sexualtrieb nicht mehr (nur) in eigener Person und mit aktivem Einsatz der eigenen Person real ausgeführt, sondern von Experten und speziellen "Kompetenzen” aufweisenden Untergeordneten, von von uns bezahlten Statthaltern vorgeführt wird. Ganz zu Recht wird heute derjenige mitleidig belächelt, der im Zeitalter der ubiquitär und billig verfügbaren elektronischen Musikkonserven noch selber schlecht und recht auf einem Instrument dilettiert: warum soll der nicht weniger ein hoffnungsloser und lächerlicher Dilettant sein, der sich noch selbst auf aktiven Sex einläßt? 

Kultivierung heißt immer: fortschreitendes Ausschalten und Ersetzen des Zu- und Aufdringlich-Wirklichen, des sogenannten "Echten”, aktiv Gestalteten durch ein energetisch weniger aufwendiges, passives, außenstehendes Miterleben, durch an andere delegierte Ersatzhandlungen. Wenige Menschentypen sind unsympathischer als der (im bayerischen Dialekt so genannte) "Adabei", der kleinkarierte Wichtigtuer, der, wie das treffend ironische Epitheton sagt, überall mit seiner nichtswürdigen Person "dabei sein” muß; dem ist gegenüberzustellen als Ideal der autonome "Zuschauer", der nur visuell (und zwar unilateral, selbstbestimmt) teil-nimmt und auch diese oberflächliche Art der existentiellen Teilhabe jederzeit beenden kann, der also jederzeit abschalten und sich ausklinken kann, wann und solange er will. Das Fernsehen mit seiner privaten Um- und Ausschaltmöglichkeit und ganz besonders der eine aktive selbstgestaltete Programmwahl ermöglichende Videorecorder bedeuten strukturell dieselbe Emanzipation vom zwanghaft kommunitären Theater-, Kino- und Kulturkult, wie die freie Wahl von Repräsentanten einen Fortschritt im Vergleich zum plebiszitären, "basisdemokratischen”, in Wahrheit vulgär popularistischen Massenversammlungs- und Urabstimmungskult darstellt, und genauso wie die Tonträger und die Unterhaltungselektronik in den Privathaushalten eine klare Emanzipation vom Konzertkult (und von der Wagnerischen Bühnenweihfestspiel-Massenhypnose) ermöglichen (und wie die deutsche Lutherbibel in jedem Haushalt eine Emanzipation vom christlichen Prediger- und Gemeindekult war). Außer ein paar übriggebliebenen Spätjüngern Heideggers oder Adornos tun heute nur noch die Leute der Zigaretten-Reklame so, als glaubten sie an den Kult des Authentischen, des "Echten”, des persönlich Erlebten (5) (man denke an den "Camel-Trophy"-Abenteuerkult oder an den einsamen "Marlboro"-Cowboy am nächtlichen Lagerfeuer); aber gerade durch die Art und die kommerzielle Absicht, mit der sie diesen Kult zelebrieren und fingieren, beweisen sie seine unwiderrufliche Obsoleszenz. "Das muß man erlebt haben”, "das muß man mal mitgemacht haben” oder "da muß man einmal dabeigewesen sein”: so spricht der Unmensch, der Banause, der in den Fernsehstudios das auf Befehl klatschende Publikumsvieh, bei demokratischen Wahlen das Stimmvieh, und bei Massenveranstaltungen das Demonstrationsvieh stellt. Die "wahren Abenteuer” (wenn man diese romantisierenden Vokabeln überhaupt verwenden will) sind und bleiben die immobilen, privat-intimen einsamen Abenteuer des Geistes, die erst dann möglich werden, wenn die Bedürfnisse des Körpers möglichst energie- und zeitsparend zufrieden- und ruhiggestellt sind.   

Betont werden muß daher, daß die Sexualität ja nur eines der vielen Gebiete ist, auf denen es den Mythos des Selbermachens, ja des "Machens” überhaupt als angeblicher anthropologischer Grundnotwendigkeit endlich zu entmythisieren gilt. Es erübrigt sich hier, besonders hinzuweisen auf die Ridikulität des Heimwerkers, des musikalischen Laien, des bastelnden, dichtenden, musizierenden, gärtnernden, töpfernden, pseudokreativen Dilettanten, der sich auf diese Weise nach Feierabend noch ein bißchen "selbstverwirklicht”, der wiß- und lernbegierige Frustrierte, von dem die Volkshochschulen und das dortige, nicht weniger frustrierte Lehrpersonal leben; längst sollte offensichtlich sein, daß der "feine" Mensch möglichst wenig noch wirklich selber "macht”: der wirklich kultivierte Mensch läßt andere, läßt Professionisten "machen” und schaut ihnen dabei zu. "Do it yourself” ist eine Losung für die Armen, und besonders für die Armen im Geiste. "Make love not war” hieß einst die naiv-pseudopolitische Devise: heute muß man sagen: "don´t make anything at all! let the others make for you...” 

Deswegen kann man vielen heutigen medienphilosophischen Apokalyptikern und Endzeitphilosophen einfach Mangel an Ein- und Weitsicht vorwerfen, wenn sie, wahrscheinlich bewegt durch eine uneingestandene, voreingenommene dogmatisch-konservative (und durch ihr "postmodernes" Vokabular nur ungenügend verschleierte) Grundeinstellung, den Verlust des "Authentischen” durchs Virtuelle, durch die angeblich sterile, völlig ausgeleuchtete Illusionswelt der Bilderflut ("Bildfolter") betrauern, in der es für den Menschen nichts mehr zu entdecken gebe. (6) In Wirklichkeit ist das Bild der die größte (Denk-)Autonomie gewährende Sinneseindruck, derjenige, gegen den man sich am leichtesten wehren kann. Immanuel Kant hatte recht, als er Musik als unanständig aufdringlich und sie daher wegen der ihr im Ggs. zu den bildenden Künsten mangelnden "Urbanität" als für einen denkenden Menschen unfein beschrieb. (7) 

Der viel beklagte "Realitätsverlust" durch die uns überall umgebende Mauer aus lauter Bildern beruht auf einer die menschlichen Möglichkeiten maßlos überschätzende Omnipotenz-Manie: die sogenannte Realität kann ja zu einem übergroßen Teil überhaupt nicht in erster Person "erlebt" werden, (ganz abgesehen davon, daß sie es auch gar nicht wert wäre...). Wir haben ja nur die Bilder, wir sind ohnehin auf sie angewiesen, und sie reichen für vieles, ja für fast alles völlig aus. Und nur sie stellen für viele ein zugängliches, mit zumutbarem Aufwand begehbares Tor zu gewissen Realitätsausschnitten aus; sie sind oft einfach ohne Alternative (wieso soll ich z.B. keine Bilder von der Bergwelt des Himalaya kennen dürfen, wenn ich nicht selber die Strapazen einer Tibetreise auf mich nehmen will?).  

Natürlich ist die Überflutung und die totalitäre Präsenz der Bilder, die immer nur wieder auf andere Bilder verweisen (hinter denen es dann "keine Welt" mehr gibt, wie für Rilkes "Panther") ein Phänomen des zu Ende geführten radikalen abendländischen Nihilismus. Wem aber der Nihilismusverdacht ausreicht zur Disqualifizierung unserer heutigen medialen Bilderdependenz, dem sei zu bedenken gegeben, daß eine größere Bewußtheit der nihilistischen Grundlagen unserer Existenz längst nicht die verheerenden moralisch-gesellschaftlichen Konsequenzen hätte, die meist implizit und negativ-utopisch unterstellt werden. Außerdem läßt die Bildmauer immer noch überall Realitätslöcher und -fenster offen, die erst durch die sie umgebenden und sie "tragenden" Bildstrukturen existieren und interessant werden. Wie wir noch sehen werden, ist unsere Bilderwelt nicht zur Verwüstung, zur Ödnis und Langeweile verdammt: in der Liebe z.B. gibt es durchaus noch (und immer wieder) Abenteuer und neue "Entdeckungen": aber meist nur, und das ist eine der hier zu vertretenden Thesen, nachdem sie gerade durch (pornographische) "Bilder" von der Sexualität weitgehend befreit und gereinigt wurde (dies wäre übrigens nur die Konsequenz daraus, daß der "Sexualitätsdiskurs" heute "erschöpft" ist, wie Christoph Wulf schon vor zehn Jahren feststellte); während es für die Sexualität nur um das Immergleiche, das "Eine" geht, betrifft "Liebe" den jedesmal neuen "Anderen", die immer verschiedene Dynamik von Begegnung und Annäherung, das Wagnis des Flirts, der "Werbung” und der "Verführung”, die unendliche immer wieder überwältigende Faszination des Liebens und Verlangens, des Geliebt- und Verlangtwerdens. 

Mit aller nur möglichen Deutlichkeit verdient es ferner festgehalten zu werden, daß der voyeuristische Genuß von Pornographie weit entfernt ist davon, den Bedürfnissen des Sexualtriebhaushalts zu widersprechen; man könnte dagegen gerade argumentieren, daß umgekehrt erst diese Art der fiktionsgestützten sexuellen Autarkie dem Sexualtrieb erst völlig gerecht wird. Nachdem wir spätestens seit Freud wissen, daß die Triebunterdrückung keine Lösung sein kann, weil auch sie von ihm abhängig bleibt und ungewünschte Nebenwirkungen zeitigt, muß die höhere Kunst der Triebbewältigung darin bestehen, dem sexuellen Impuls sozusagen ein Schnippchen zu schlagen, ihn auszuleben, ohne ihn real auszuleben, ihn sozusagen mit sich selbst zu betrügen: nämlich dadurch, daß man ihm nur virtuell und nur visuell nachgibt, ohne das von ihm Verlangte wirklich selbsttätig zu vollbringen, ohne ihm soweit hörig zu werden, daß man mehr Zeit und Energie für ihn aufwendet, als strikt notwendig ist. Nur allein mit sich selbst, nur in solipsistischer Selbstbeschränkung kann man dem Trieb wirklich geben, was des Triebes ist: keinerlei Rücksichtnahme auf die Sensibilität Anderer, auf irgendwelche Konventionen, auf moralische Verbote und Gebote trüben den Genuß größtmöglicher, privater, egozentrierter Lust.  

Nun wird man einwenden, daß auf diese fiktive Weise höchstens dem krud physiologisch-biologischen Aspekt des Triebs Genüge geleistet wird, während alle damit verbundenen "geistigen” und "höheren” Begleitimpulse notwendigerweise durch die bloße Imago-Ersatzpräsenz unbefriedigt bleiben. Dem kann aber folgendes entgegengehalten werden: es ist eine Illusion und wiederum eine hoffnungslose Überschätzung der "höheren Seelenkräfte”, wenn man erwartet, daß diese überhaupt neben dem Trieb noch eine Chance haben, zu ihrem Recht zu kommen. Die geistige Steuerung und Bewältigung des Niederen, Körperlichen und Materiellen kann nur gelingen, wenn sie an deren Oberfläche bleibt, sie muß eine gewisse Distanz wahren zur Triebrealität; sie kann sich auf keine direkte Konfrontation mit diesem ihr immer und notwendigerweise äußerlich bleibenden Bereich einlassen. Der Geist darf nicht mit dem Körper kämpfen, er muß ihn überlisten. Die nur kontemplative, nicht aktiv-faktische Teilhabe an dem, was der uns eingebaute biologisch-natürliche Fortpflanzungstrieb eigentlich realiter fordert, bedeutet die Emanzipation von dem stählernen Gehäuse der Instinkthörigkeit, die kontrafaktische Aufhebung einer unserer fundamentalsten und beengendsten Konditionierungen. Gleichzeitig täuscht diese mit dem Element des Fiktiven, Gestellten, Unrealen behaftete Befriedigung aber auch keine endgültige, definitiv "letzte" Befriedigung vor: das Irreale des bloßen Bildgenusses, viel mehr als der real und "vollständig" ausgelebte Trieb, stimmt mit der fundamentalen Einsicht überein, daß wirkliche totale Befriedigung prinzipiell unmöglich ist. (8) Claudia Gehrke ist überzeugt, daß die vielen, auch eindeutigen Bilder nicht die "Sehnsucht nach dem einen Bild" stillen kann.


    "Natürlich gibt es diese Sehnsucht nach dem einen Bild. Auch wenn sie eingebildet ist, ist sie anders, unbeschreiblich, unabbildbar. Unstillbar sprengt sie jeden Versuch der Einengung, möchte dennoch immer wieder erfüllt sein. Traumbild, das niemals ein Bild ist, von vollkommener Erregung, vom Einssein, von einem nicht mehr enden wollenden Glück, von der radikalsten Überschreitung aller einengenden Ordnungen. Wirklich eingeholt wäre es nur im Tod, dort dann für immer verloren. Jede Festlegung dieser ungestillten Sehnsucht, dieses inneren Bildes in ein bestimmtes Bild, in eine bestimmte Handlung, in einen Liebesakt birgt neben der Erfüllung eine Enttäuschung." (9)



Nur daß diese notwendige Enttäuschung im Falle des Bildes leichter zu verkraften, weil vorauszusehen ist. Deswegen ist es müßig, das stereotype und monotone "Immer-wieder-dasselbe" der Pornographie zu kritisieren (10): der Unendlichkeit und prinzipiellen Unstillbarkeit des sexuellen Verlangens wie allen menschlichen Verlangens kann, wie Nietzsche wußte, immer nur gerade durch die ewige Wiederkehr des Gleichen begegnet werden, durch den Verzicht auf jede künstlich konstruierte Neuheit, auf Abwechslung vortäuschende "Sensationen", auf Individuation: der Versuch, den Playboy-Mädchen dadurch einen unverwechselbareren individuellen Touch zu geben, daß dem Leser etwas über ihre angeblichen privaten Vorlieben und Hobbies mitgeteilt wird, ist in seiner so durchschaubaren Hilflosigkeit nur verzweifelt-lächerlich und enthüllt jede Individuation als das, was sie (fast) immer ist und gerade in diesem Bereich nicht anders sein kann: eine schlecht versteckte Stereotypisierung, verursacht durch ein bürgerlich-biederes schlechtes Gewissen, das dem nackten Fleisch verschämt wieder ein Mäntelchen (noch dazu ein ziemlich schlampig gestricktes) aus bürgerlichen Konventionen und Klischées umhängen muß. 

Aufgeräumt muß endlich auch werden mit der dümmlich-spießerischen Unterstellung, daß der Pornokonsument grundsätzlich ein primitiver, sexbesessener Lüstling und unbeherrschter Erotomane sei; das Gegenteil kommt auch hier der Wahrheit viel näher: wer sich vom Trieb auf diese Weise emanzipiert, steht schon über ihm, hat ihn überwunden; er erachtet ihn einfach nicht für wichtig genug, um sich sein aktives soziales Leben durch ihn diktieren zu lassen. Er belästigt sich und vor allem andere nicht mehr damit, was gerade für sexuell komplexe Charaktere (wie Fetischisten oder Sadisten) einen nicht zu unterschätzenden Aggressivitätsabbau in den zwischenmenschlichen Beziehungen mit sich bringen könnte. Wobei natürlich die vaexata quaestio noch geklärt werden müßte, die mindestens so alt ist, wie die einschlägigen konträren Meinungen von Platon und Aristoteles, ob nämlich die fiktive Darstellung von Realität wirklich von ihr freimacht ("Katharsis”) oder aber gerade zur Realisierung des Dargestellten, zur grenzverwischenden Vermischung von Fiktion und Realität zwingt. (11)

Nach all dem Gesagten ist klar, daß hier keine Rehabilitation eines Pornographiegebrauches intendiert ist, die sie als Stimulation oder als zusätzliche Bereicherung der eigenen, aktiv ausgeübten Sexualität verstünde; obwohl sie das ohne weiteres sein kann, und sich dann durch ihre Phantasieanregungsqualitäten rechtfertigen würde (obwohl eine solche Verwendung von pornographischem Material dem Benutzer freilich ein gewisses geistig-sinnliches Armutszeugnis ausstellen würde), geht es hier um die weiterreichende Behauptung, daß die Konsumation von Pornographie eine Art der körperlich-geistigen Abdeckung der sexuellen Bedürfnisse darstellen kann, die im Vergleich zum real existierenden Sexualleben in unserer monogam-fixierten Gesellschaft eine vollwertige, vollständige und in vielen Aspekten überlegene Alternative darstellt. Was von allen alten und neuen Hyte-, Kinsey- und sonstigen Reporten immer wieder bestätigt wird, ist doch ein Bild der allgemeinen sexuellen Unbefriedigtheit in unseren bürgerlichen Ehen (aber auch in anderen nichtinstitutionalisierten Beziehungsformen): sei es nun, daß sich die Frau - oder der Mann - über die sexuelle Ausnutzung, Unterdrückung oder sogar "Vergewaltigung", oder aber der Mann - oder die Frau - über die Langeweile der schlafzimmerlichen Routine klagt, es ergibt sich ein ziemlich jämmerlicher Eindruck vom Zustand der regulären, real existierenden zeitgenössischen Sexualpraxis. Dies könnte doch allmählich den Verdacht erhärten, daß eine für beide Seiten befriedigende Sexualität in der Partnerschaft eine viel zu seltene und glückliche Ausnahme ist, um an ihr als einzig akzeptables, gesellschaftliches Ideal immer noch stur festzuhalten. Warum sollte man nicht der Vermutung Raum geben, daß unser heutiger, von religiösen und moralischen Bedenken glücklicherweise längst emanzipierter Anspruch auf sexuelle Lust in der "normalen" Zweierbeziehung nicht mehr real einlösbar ist (12), sondern nur noch in der fiktiven Welt der Pornographie angemessen "erlebt" werden kann? In unserer überfeinerten und hyperkomplexen Beziehungswelt scheint die Flucht in die auf naive Weise noch "heile" Bilder- und Vorstellungswelt der Pornographie (13) der einzige Weg zu sein, das ungezähmt-unzähmbare, natürlich-"primitive" Potential des (vor allem maskulinen) Sexualtriebs noch wirklich als solchen frustrationsfrei und "direkt"(14) zu befriedigen.  

In ihrer Kritik an den reduktionistischen und puritanischen Tendenzen der feministischen Antiporno-Kampagne hat Cora Stephan geschrieben: "Auch ohne Pornographie wird Sexualität nicht zu einer heillosen gesunden Sache mit Risikoversicherung werden können, sie ist in ihrer Maßlosigkeit gewalttätig, in ihrer Leidenschaftlichkeit verletzend, sie umfaßt Hingabe wie Aufgabe, Regression und Aggression." (15) Daraus ist die Konsequenz zu ziehen: diese "verletzende" und "gewalttätige" Grundkonstante der Sexualität ist entweder nur in ganz besonders privilegierten und unwahrscheinlichen Liebesbeziehungen real, oder aber im Normalfall mit und in der Pornographie wenigstens fiktiv erlebbar. 
  

Wenn auf diese Weise die nur noch virtuell und solipsistisch-autark erlebte Sexualität von dem triebunabhängigen, mit einem Partner wirklich erlebten und aktiv-handelnd gestalteten Sexualleben unterschieden und getrennt wird, dann würde sich ergeben, daß die beiden Dimensionen sexueller Aktivität in keinerlei Konkurrenz- oder Kompensationsverhältnis zueinander stehen müssen. (16) Denkbar wäre dann vielmehr, daß die vita contemplativa erst die vita activa ermöglicht und potenziert: die wirkliche, zu zweit ausgelebte Sexualität erfordert nämlich einen völlig anderen geistigen Ansatz, eine grundsätzlich verschiedene persönliche Einstellung, die über das primärsexuelle egozentrierte "Bedürfnis" eben schon hinaus ist, die frei ist von einem triebgegebenen Ziel, von einem biologisch bedingten End- und Höhepunkt, auf den die sexuelle Interaktion "hinauslaufen" müßte. Der wirklich "gemachte" Sex muß vielmehr ein "freies Spiel der Einbildungskraft und des Verstandes" sein, ein gleichzeitig intellektuell beherrschtes und trotzdem zügel- und regelloses ästhetisches Spiel der Phantasie und der (nur durch Erfahrung zu gewinnenden) wissenden Einsicht; das Liebes-"spiel" sollte mit derselben Verantwortung und Achtung für das Detail angegangen werden, mit der ein Künstler das "Spielen" eines schwierigen Kunstwerks vorbereitet und bewältigt, vom Anfang bis zum Ende gestaltlos gestaltet, immer mit vollem Bewußtsein und höchster Konzentration, aber ohne daß die dahinterstehende Anstrengung und Bemühung sichtbar würde (es muß trotz allem eben immer noch ein "Spiel" bleiben).  

Leider ist ja die Erkenntnis, daß die geschlechtliche Liebe eine Kunst ist, die ein Können und mindestens einen, am besten aber zwei "Künstler” erfordert, heutzutage und in unserem Kulturkreis nicht sehr weit verbreitet; zu anderen Zeiten und in anderen Ländern (z.B. Asien) war dieses Wissen Allgemeingut, und die sexuelle Revolution hat, wie auf anderen Gebieten andere Revolutionen, die sehr schadenbringende Wirkung gehabt, diese eigentlich aristokratische und elitäre Kunst zu demokratisieren, zu verpöbeln und damit zu verhunzen. (17) Man könnte sich in diesem Zusammenhang sogar zu der anstößigen These versteigen, daß das viel gescholtene "ius primae noctis" in erster Linie der Idee entsprang, der jungen Braut wenigstens bei ihrer ersten sexuellen Erfahrung den groben und unerfahrenen Bauernlümmel zu ersparen und ihr von einem "gebildeten" und aristokratischen Menschen zeigen zu lassen, was Sexualität in Wahrheit sein könnte, wenn sie in gehobenem Stil und auf vornehme kultivierte und (d.h. immer auch: distanzierte, nicht "naturalistische") Weise zelebriert wird. 

Wie dem auch immer sei: festzuhalten ist, daß die mit Eigenengagement real zu zweit erlebte Sexualität sehr hohe Ansprüche an Körper, Geist und Seele stellt und mit "Triebbefriedigung" zunächst einmal sehr wenig zu tun hat (d.h. solange die Befriedigung des eigenen Triebes handlungsleitend ist, bleibt die körperliche Liebe eine zumindest für einen der Partner langweilige, ermüdende und oft sogar widerwärtige, gymnastische Paarübung). Der Trieb kann auf humane und verantwortungsvolle Weise nur in solitären Geschlechtspraktiken zu seinem vollen Recht kommen, wenn keine heterosexuelle Präsenz triebfremde Voraussetzungen und befriedigungshemmende situative Grundbedingungen schafft, wenn also keine ganz anderen (nämlich dezidiert partnerschaftliche) Finalitäten und Prioritäten zu setzen sind. Wenn wirkliche Sexualität wesens- und definitionsmäßig ein Gegenüber, einen andersgeschlechtlichen "Alter" zum Ego erfordert, dann ermöglicht Pornographie nichtsdestotrotz das Paradoxon einer autonomen, aber vollständigen Sexualität, die befreiende Fiktion einer nicht fremdbestimmten und trotzdem mit dem Element des notwendigen "anderen" bereicherten Geschlechtlichkeit. Die mentale Identifikation und Projektion auf die abgebildeten, abgefilmten oder nur beschriebenen sexuell Agierenden konstituiert eine geistige Teilnahme am körperlichen Erlebnis, eine Transzendierung der Sinne, eine Befreiung vom Zwang des allzu sinnlich-tierischen "Dabeiseinmüssens".  

Unverständlich bleibt mir daher, warum sich Dietmar Kamper gegen die "Reibungslosigkeit” unsrer nur noch visuell-virtuellen Sexualität wendet, weil sie keine "Befreiung der Sinne” bedeute, sondern eine Flucht vor dem Körper (des anderen) und insofern in einer Linie stehe mit "der Mönchs-Askese, der mystischen Gottesliebe und der Vernunftreligion”(18). In Wirklichkeit vergißt Kamper hier, sein christlich-allzu-christliches Vorverständnis der Beziehung von Liebe und Sexualität zu hinterfragen (19): Entgegen der christlich-bürgerlichen Sexualdogmatik, die die grundsätzlich anarchistisch und polygam angelegte Sexualität durch die gesellschaftliche akzeptierte institionalisierte, monogame Liebe zähmen und bändigen wollte ("Sex nur in der Ehe” oder "Sex nur mit jemand, dem man wirklich liebt...” usw.), muß nüchtern für die prinzipielle Disjunktion der beiden Phänomene plädiert werden. Wer heute hier immer noch eine ganzheitliche, und in diesem Sinne eben immer noch "katholische" Auffassung vertritt, versucht das Inkongruente zur Deckung zu bringen, und das läuft allemal auf die Einzäunung, Moderation und Kastration der exuberanten, der überströmenden, alle Fesseln sprengenden Sexualität hinaus.  

Die sexualtherapeutische Anwendung dieser Überlegungen würde auf folgende, in vielen konkreten Einzelfällen wahrscheinlich einzig vernünftige (wenn auch nicht unbedingt absolute Allgemeingültigkeit beanspruchende) Maxime hinauslaufen: nur wer sich auf autonome, solipsistische Weise vom "Sex” frei macht, ist frei für die "Liebe”. Zwischen diesen beiden Sphären gilt es folglich ungefähr dieselbe Relation herzustellen, wie sie Kant zwischen Wissen und Glauben schaffen wollte: das erstere muß als Fundament fest statuiert und fixiert werden, um dem zweiten den ihm gebührenden Platz jenseits dieser so bestimmten Grenzen anzuweisen. Aus dieser Andeutung einer Analogie zur Kantischen Systematik könnte sich ein ganzes Programm für eine zukünftige philosophische Sexualforschung fortspinnen: nach einer "Kritik der reinen Sexualität" müßte man eine "Kritik der praktischen Liebe" schreiben und dann vielleicht noch eine "Kritik der Zeugungskraft".  


Fußnoten  

(1) Der nachfolgende Text stellt die überarbeitete Fassung eines Referats dar, das bei einem internen "philosophischen Themenabend" als bewußt provokatorisch formulierte Diskussionsgrundlage gedient hat. Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern für die meist sehr dezidierte Kritik, der ich soweit wie möglich versucht habe, Rechnung zu tragen, und bei der Redaktion der "Philosophia perennis" für die Übernahme auch eines solch in mehrfachem Sinne "problematischen" Texts. Gewidmet ist der Text jenen, die wissen, daß und inwiefern hier nicht immer pro domo verhandelt wird...   (zurück)

(2) Zum Thema Pornographie und Frauenhaß vgl. paradigmatisch die altfeministische Position in dem Buch (erschienen parallel zu der 1987 von der Zeitschrift EMMA gestarteten Anti-Porno-Kampagne) von Andrea Dworkin, Pornographie. Männer beherrschen Frauen, Köln 1987 (vgl. z.B. S. 268: "Wir wissen alle, daß wir frei sein werden, wenn es keine Pornographie mehr gibt"); vgl aber auch Eva Feder Kittay, "Pornographie und die Erotik der Herrschaft", in: Denkverhältnisse: Feminismus und Kritik, hrsg. von E. List u. H. Studer; Frankfurt am Main 1989, S. 202-243, sowie Cora Stephan, "Heim zu Mama - Eine Polemik", in C. Gehrke (Hg.), Frauen und Pornographie, Tübingen 1988, S. 63-70.   (zurück)

(3) Man vgl. z.B. die abschätzige Konnotation von Schimpfwörtern wie "Wichser" oder "Fuck yourself!"   (zurück)

(4) "Statt als Surrogat für eine fehlende Partnerin oder vorenthaltene Praktik begreifen wir den Gebrauch obszöner Objekte besser als sexuelles Handeln eigener Art" (R. Lautmann, "Das pornographische Dilemma", in: A. Schuller/N. Heim, Vermessene Sexualität, Berlin u.a. 1987, 99-121, hier 109).   (zurück)

(5) "Das Authentische gibt es nicht" (C. Gehrke, "Pornographie und Schaulust. Über die 'Kommerzialisierung' des weiblichen Körpers", in: Chr. Wulf (Hg.), Lust und Liebe. Wandlungen der Sexualität, München 1985, 348-366, hier 363).   (zurück)

(6) Vgl. z. B. J. Baudrillard, "Die Rituale der Transparenz”, in Chr. Wulf (Hg.), a.a.O., 395-410.   (zurück)

(7) I. Kant, Kritik der Urteilskraft, B 221.   (zurück)

(8) In diesem Sinn hat U. Greiner die Pornographie als "Ausdruck einer unstillbaren Sehnsucht" bezeichnet. (U. Greiner, "Das Fleisch ist nicht willig", Die ZEIT, Nr. 51, 11.12.87, zit. in B.Bremme, Sexualität im Zerrspiegel. Die Debatte um Pornographie, Münster/New York 1990, S. 141.)   (zurück)

(9) C. Gehrke, a.a.O., S. 365.   (zurück)

(10) Vgl. B. Bremme, a.a.O., S. 9f.; vgl. dagegen C. Gehrke, a.a.O., S. 364.   (zurück)

(11) Für die erstere These optiert R. Lautmann (a.a.O., 111): "Für die allermeisten Konsumenten kommt das sexuelle und soziale Ausagieren solcher [pornographischer, J.L.] Herrschaftsbilder nicht in Betracht; der Wunsch befriedigt sich im Abglanz." Dagegen vgl. B. Bremme, a.a.O. 76ff.   (zurück)

(12) U.a. deswegen, weil die sexuellen Bedürfnisse von Mann und Frau "im Normalfall grundverschieden" sind (U. Greiner, a.a.O., zit. in B.Bremme, S. 140). (zurück)

(13)Vgl. die psychoanalytische Bestimmung der "pornographic imagination" in R.S. Randall, Freedom and Taboo. Pornography and the Politics of a Self Divided, Berkeley u.a. 1989, 67ff.   (zurück)

(14) Nach R. Lautmann verstößt die Pornographie v.a. gegen die "Indirektheitsnorm" der sexuellen Kommunikation, die das sexuelle Handeln "kultiviert" (a.a.O. 102f.); bei allem intuitiven Verständnis für den behaupteten Lustgewinn durch Umwege müßte aber auch die Gegenrechnung über den Verlust von Ursprünglichkeit und Spontaneität des sexuellen Triebs aufgemacht werden.  (zurück)

(15) C. Stephan, a.a.O., zit. in B. Bremme, a.a.O., S. 195.   (zurück)

(16) Wenn diese Unterscheidung gelingt, wird auch der übliche Vorwurf hinfällig, die Pornographie würde bei ihren Konsumenten die Verwechslung von Fiktion und Realität befördern und dazu führen, daß sie sich das pornographisch vermittelte Frauenbild auch in der Praxis zu eigen machen.   (zurück)

(17) Vgl. hierzu: W. Ross, Tod der Erotik Versuch einer Bilanz der sexuellen Revolution, Graz u.a. 1986.   (zurück)

(18) D. Kamper, "Bildfolter. Von der gestörten Liebe zur reibungslosen Sexualität”, in: Chr. Wulf (Hg.), a.a.O., 381-394.   (zurück)

(19) Vgl. D. Lenzen, "Pornographie und sexuelle Wirklichkeit - Vom notwendigen Ende des pornographischen Diskurses", in Schuller/Heim (Hg.), a.a.O., 128f.  (zurück)